Archiv der Kategorie: General

London: Razzia in Shadwell sabotiert

übersetzt von rabble

Am Mittwoch, dem 22. Juli 2015 wurde eine versuchte Razzia gegen Migrant_innen von Bewohner_innen von Shadwell sabotiert. 16 Reifen wurden gestochen und Beamte mit Eier beworfen. Das ganze erinnert an den Widerstand gegen eine Razzia in Walworth letzten Monat. Zwei Personen wurden bei diesem Vorfall verhaftet.

Ein Kommentar berichtete: „Während sie (die Beamten) sich die Chapman Street vornahmen, wurden ihre Autoreifen geschlitzt und die Autos verkratzt. Die lokale Garage verweigerte es, ihnen Reifen zu verkaufen oder ihnen sonstwie zu helfen. Um noch einen draufzusetzen, wurden sie von einem Block mit Eiern beworfen, einige landeten direkt auf ihren Köpfen. Welcome to Shadwell.“

Griechenland: Migrant_innen in Amygdaleza setzten Matratzen aus Protest in Brand

übersetzt von clandestina

Kurz nach Mitternacht setzten Migrant_innen in fünf verschiedenen Containern vom Internierungszentrum von Amygdaleza Matratzen in Brand.

Nachdem zwei Feuerwehrautos das Feuer löschten, wurden die Migrant_innen in die Container, welche als Zellen gebraucht werden, zurückgebracht.

Ein weiterer Protest gegen ihre monatelange Einsperrung, Nahrungsmittelknappheit und unmenschliche Bedingungen.

EU verpasst bescheidene Ziele

gefunden auf tagesanzeiger

Die Europäische Union ist ein Club mit beschränkter Solidarität: Die Mitgliedsstaaten erreichen das Ziel, 40’000 Asylbewerber neu zu verteilen, nicht.

In Griechenland landen mehr Bootsflüchtlinge als in Italien. (TA-Grafik)

Das Ziel war von Anfang an bescheiden: Die EU-Staaten wollten Italien und Griechenland ursprünglich um 40’000 Asylbewerber entlasten. Weil zwingende Quoten in einigen Ländern auf heftigen Widerstand stiessen, versuchte man es mit einem freiwilligen Verteilschlüssel. Die EU-Innenminister machten aber ­gestern bei einem Sondertreffen im ­zweiten Anlauf nur Zusagen für 32’256 Flüchtlinge.

EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos versuchte, die relative Blamage als Erfolg zu verkaufen. Der Grieche sprach von einem ersten historischen Schritt in die richtige Richtung. Erstmals hätten sich die EU-Staaten überhaupt darauf geeinigt, Flüchtlinge im Rahmen einer sogenannten «Relocation» untereinander neu zu verteilen. Besser schaut es zudem beim Ziel aus, das man sich für die Neuansiedlung von Menschen direkt aus Flüchtlingslagern an der Grenze zu Syrien gesetzt hat.

Schweiz nimmt 519 Flüchtlinge
Weitere 20’000 sollen nämlich über sogenannte Resettlement-Programme in die EU geholt werden. Hier gibt es jetzt immerhin Zusagen für 22 504 Flüchtlinge, die sich nun nicht in die Hände von Schleppern begeben müssen, um Europa zu erreichen. Eingerechnet sind auch jene 519 Flüchtlinge, welche die Schweiz auf freiwilliger Basis direkt aus Krisengebieten aufnehmen will. Deutlich weniger als die 3500, die Norwegen akzeptiert. Bei der Umverteilung innerhalb der EU machen beide Schengen-Staaten vorerst aber nicht mit.

Einige Mitgliedsstaaten beteiligten sich erstmals an einem solchen Programm, lobte Avramopoulos. Allerdings ist hier der Beitrag der Europäer angesichts von Millionen gestrandeter Flüchtlinge in Jordanien oder der Türkei ohnehin eher symbolisch. Einige Minister versuchten zwar, die enttäuschenden Zusagen für die Umverteilung innerhalb und die positiveren Zahlen für die Umsiedlung von ausserhalb aufzurechnen. Doch auch bei diesem Buchhaltungstrick wäre das Gesamtziel von 60’000 Flüchtlingen nicht erreicht worden.

Avramopoulos zeigte sich deshalb dann leicht enttäuscht: Ein System mit einem freiwilligen Verteilschlüssel könne eben nicht funktionieren, betonte er. Der Migrationskommissar bekräftigte den Plan, noch vor Ende Jahr einen Vorschlag für einen permanenten Notfallmechanismus mit obligatorischen Quoten zu präsentieren. Schliesslich gehöre Solidarität zu den Grundprinzipien der EU und müsse mehr als ein Slogan sein.

Ähnlich der Tenor beim Luxemburger Jean Asselborn, dessen Land derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat. Asselborn sprach von einem «respektablen Ergebnis»: Man sei nahe am Ziel. Einige Zahlen seien ermutigend, andere aber enttäuschend oder gar peinlich, sprach der ­Luxemburger Klartext. Verhältnismässig wenige Flüchtlinge nehmen Spanien oder Polen. Irland macht hingegen bei beiden Programmen mit, obwohl es ähnlich wie Grossbritannien und Dänemark über eine Ausnahmeklausel verfügt.

Ungarn wiederum will weder bei der Solidarität innerhalb der EU noch mit den Krisenregionen im Nahen Osten mitmachen. Österreich will sich zwar bei der Umsiedlung von ausserhalb der EU beteiligen, aber keine Asylbewerber aus Griechenland oder Italien übernehmen. Österreich sei jetzt schon Zielland Nummer eins, argumentierte Innen­ministerin Johanna Mikl-Leitner. In Österreich seien die Kapazitäten «ausgereizt». Griechenland und Italien müssten zudem zuerst einmal ihre «Haus­aufgaben machen» und alle illegalen Zuwanderer sowie Asylsuchenden regelkonform registrieren.

Tatsächlich sollen Italien und Griechenland parallel zur Umverteilungs­aktion Hilfe bekommen, von allen Asylsuchenden und Zuwanderern die Fingerabdrücke korrekt zu verfassen. Zu diesem Zweck sollen entlang der Aussengrenze sogenannte Hotspots mit Experten aus den Mitgliedsstaaten eingerichtet werden. In diesen Hotspots sollen sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge rasch aussortiert werden.

Als Teil des sogenannten Migrationspakets will die EU auch die Rückführung von abgewiesenen Asylbewerbern stärker koordinieren und intensivieren. Der Luxemburger Jean Asselborn sprach sich zudem dafür aus, die Staaten des Westbalkans generell zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären. Menschen aus dieser Region verstopften unnötig das Asylsystem.

Litauen: Wer liebt schon seinen Käfig?

übersetzt von non-fides

Am Samstag, dem 27. Juni rebellierten im Zentrum für die Registrierung von Ausländer_innen von Pabrade einige vietnamesische Migrant_innen. Es ist dies das einzige Zentrum dieser Art in Litauen. Gemäss einer Meldung der Bullen versuchten zehn „Bewohner_innen“ des Zentrums auszubrechen. Sie wurden mit Tränengas und Knüppel daran gehindert. Ein Bulle wurde am Arm verletzt.

Die niedergeknüppelten Rebell_innen wurden in einen speziellen Schlafraum gebracht – ein Gefängnis im Gefängnis -, wo sie sich mit anderen entschlossenen Gefangenen ein wenig Würde zurückholten. Sie fingen erneut an, die Bullen mit Stühlen, Brettern, Tischen und Füssen anzugreifen. Am Schluss waren drei Fenster kaputt.

Der Raum wurde im Anschluss von den Bullen durchsucht und verwüstet. Sie fanden dort vier Natels, vier Ladegeräte und sogar einige Eisenstangen und Messer.

Wir möchten betonen, dass wir all diese Informationen über die polizeifreundlichen Medien erhalten haben.

Momentan sind 195 Personen in diesem Zentrum eingesperrt. Die einzig logische Antwort auf ein Leben in einem Käfig ist der Versuch, alles, was uns einsperrt zu zerstören. Niemand muss die Stacheldrahte akzeptieren, egal auf welcher Seite man sich befindet. Wir grüssen deshalb die Rebell_innen von Pabadre, welche sich für ein wenig Würde auflehnten.

Gegen alle Grenzen, welche uns voneinander trennen.

Gegen alle Käfige.

bekennung zum sachschaden beim innensenat in bremen

gefunden auf linksunten

kaputt

weit über 20.000 tote menschen die im mittelmeer auf ihrer flucht ertrunken sind, kilometerlange militärische hochsicherheitszäune, überfüllte sammellager, gezielte militärisierte abwehr von geflüchteten. wir alle kennen diese bilder aus den medien. auf die durch die abschottungspolitik herbeigeführten schiffsunglücke folgen statements der politisch verantwortlichen, die vor geheuchelter betroffenheit nur so triefen.

die mit stacheldraht bewehrten zäune, die militärische abwehr von menschen in not, – das ist insgesamt das verfolgte und gewünschte ziel der deutschen und europäischen asylpolitik gegenüber geflüchteten. doch all dies spielt sich nicht nur an den grenzen und seewegen im süden und osten europas ab. auch inmitten deutschlands findet der krieg gegen geflüchtete statt. sei es die schikane der ausländerbehörden , die unzureichende versorgung, isolation, kriminalisierung, rassistische kontrollen der bullen und dem zoll. oder wie die aktuell vom bundestag verabschiedete verschärfung des deutschen asylrechts. was der staat hier nicht besorgt, erledigen an seiner stelle wütende bürgermobs mit hasstiraden und forderungen nach noch mehr verschärfung und harten strafen. neonazis verüben mehr und mehr brandanschläge gegen asyleinrichtungen.
der bremer innensenator und seine behörde tragen diese zustände und poltik mit und setzen sie bereitwillig um.

wir haben deswegen in der nacht zum 18.7.2015 mit unseren bescheidenen mitteln mehrere 10.000€ sachschaden an der landesinnenbehörde verursacht, über die sich innensenator mäurer so gerne als oberhaupt der bremer politik inszeniert. der angriff zielt ebenso auf ihn persönlich wie auf sein amt.

wir handeln nicht in der erwartung dass wir die herrschende politik stoppen könnten, sondern weil wir deutlich machen wollen, dass wir genau wissen wo die entscheidungsträger sitzen. seht darin eine kleine manifestation unseres hasses – gegen euere knäste, eure grenzen, eure bullen und eure scheiss autorität.

nehmen wir uns die nächte. und ihnen den schlaf.

autonome gruppen

Köln: Brücken statt Bomben – Kurze Blockade der Deutzer Brücke

gefunden auf linksunten

Brücken statt Bomben 1  Brücken statt Bomben 2

Am Samstag blockierten ca. 50 Menschen die Deutzer Brücke in Köln um auf die Situation an den Außengrenzen Europas aufmerksam zu machen, an denen tausende Menschen davon abgehalten werden dorthin zu gelangen wo sie möchten.

 

Immer mehr Menschen sterben bei dem Versuch nach Europa zu gelangen und die Reaktion darauf ist ein Militäreinsatz gegen „kriminelle Schlepperbanden“? Einzig und allein die milliardenschwere Abschottungspolitik der EU ist für die Toten verantwortlich. Nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in den angrenzenden Staaten finanziert die EU einen Krieg gegen Menschen die ihrem legitimen Wunsch nach Bewegungsfreiheit nachkommen wollen. Wir haben diesen symbolischen Ort blockiert, in Gedenken an die Ermordeten und in Solidarität mit den tausenden Menschen, die südlich und östlich des Mittelmeers teilweise seit Jahren blockiert sind.
Ohne Grenzen gibt es auch keine Schlepper!

 

Brücken statt Bomben – Fähren statt Frontex
Bridges not Bombs – Ferries not Frontex
Des ponts pas des bombes – Des Ferries pas Frontex
الجسور ليست قنابل
نريد عبارات بدلا من فرونتكس

„No Borders, No Nations DEMO! 1. 8.2015 12:30 Bahnhofplatz

gefunden auf indymedia

No Borders, No Nation Demo in Bern 1. August 2015 12.30 Bahnhofplatz

Am 1. August findet in Bern nicht bloss das „No Borders, No Nations Festivall bei der Reitschule statt. Unter dem gleichen Motto wird es auch eine Demo geben: Gegen Grenzen und Nationen.
Kommt am 1. August 2015 um 12:30 auf den Bahnhofplatz in Bern!

An Mauern, Zäunen und auf der See sterben täglich Menschen, die versuchen ohne Erlaubnis nach Europa oder in die USA zu gelangen. In den vergangenen Wochen kamen mehr Menschen ums Leben, als an der „Berliner Mauer“ während ihrem rund 28 jährigen Bestehen.1

Laut dem UNHCR sind weltweit 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten dieser Menschen flüchten, weil erfolgreiche kapitalistische Nationen ganze Weltgegenden zu billigen Rohstoffländern und Armenhäusern nieder konkurrieren oder weil imperialistische Mächte aus nationalem Interesse dort Kriege führen oder unterstützen. Diese Menschen flüchten vor Armut, Verfolgung und Krieg – und viele von ihnen sterben an den Grenzen von Staaten, weil sie die falschen oder keine „Papiere“ haben2 – nicht weil es zu wenig sichere Transportmittel und Möglichkeiten gäbe3. Sie müssen vor Hunger und Armut flüchten, obwohl es auf der Welt Nahrungsmittelüberproduktion gibt und so viel Geld, dass Grossanleger*innen nicht mehr wissen, wo sie es investieren sollen.

Diese Mächte, die für das Elend (mit)verantwortlich sind, haben andererseits kein Interesse Menschen bei der Flucht zu helfen: Sie hindern sie aktiv daran! Mit militärischen, polizeilichen und politischen Mitteln versucht man sie fernzuhalten. Denen, die es trotz alledem über die Grenzen schaffen, droht viel eher Repression, Ausbeutung und Ausschaffung als die Gnade des Asyls. Der Grund dafür ist, dass der Staat Menschen in In- und Ausländer*innen spaltet. Letztere sortiert er noch einmal nach wirtschaftlicher und politischer Verwertbarkeit (in der CH Bewilligung B, C, Ci, G, L, N, F, S oder eben keine). Diese Logik der Verwertbarkeit trifft uns jedoch alle. Auch die Inländer*innen sind Menschenmaterial, das sich für den Erfolg der Nation ins Zeug legen muss. In „friedlichen“ Zeiten fürs Wirtschaftswachstum (Produktivitätssteigerung, Arbeitszeiterhöhung) und in kriegerischen ganz direkt, mit der Waffe in der Hand. So droht der einheimischen Bevölkerung zwar nicht die Ausschaffung, aber dennoch in guten wie in schlechten Zeiten ein Leben als „working poor“ oder die „Altersarmut“.

Wir wissen, dass Staaten und ihre Grenzen politische Konstrukte sind, die die Menschen in In- und Ausländer*innen teilen und ihnen vorgaukeln, es gäbe ein „wir“ und das hätte mit „den Anderen“ so wenig gemeinsam, dass man sie schlechter behandeln und ausnutzen, mitunter sterben lassen kann.

Wir spüren, dass es in diesen Konstrukten nicht darum geht, das Beste für die Menschen herauszuholen, sondern darum, in der Konkurrenz der Nationen erfolgreich zu sein – auf Kosten der einheimischen und ausländischen Bevölkerung, auf Gedeih und Verderb!

Wir wollen, dass das nicht so bleibt! Wenn sich genügend Menschen finden, die sich nicht mehr für nationalstaatliche Logik, für Ausgrenzung und Ausbeutung einspannen lassen, sondern sich über alle Grenzen hinweg, für ein gutes Leben für alle und für mehr Menschlichkeit einsetzen!

Auf dass No Borders, No Nations mehr wird, als ein Festival, als eine Parole:

Heraus zur Demo!

Fussnoten:
1 In der Zeit zwischen August 1961 und November 1989 starben an der Berliner Mauer nach unterschiedli-chen Angaben insgesamt zwischen 138 Menschen 251 Menschen (wenn man natürliche Tode wie Herzin-farkte nach der Grenzkontrolle mitzählt), mindestens 100 starben auf der Flucht. Zwischen 2004 und 2013 kamen nach Angaben von Hilfsorganisationen mehr als 6200 Boatpeople ums Leben, die versuchten Lam-pedusa oder Sizilein zu erreichen. Die US Border Patrol registrierte zwischen 1998 und 2013 6029 Todesfäl-le von illegalen Migranten an der US-Grenze zu Mexiko. Quelle: Wikipedia
2 Diese Tatsache macht die Rechnungsart deutlich, die Staaten mit Menschen betreiben: Diplomaten wer-den entsprechend anders behandelt als Gastarbeiter aus dem EU/EFTA-Raum und diese wiederum anders als Asylsuchende.
3 Mit den Richtigen Papieren kommt man auch zum Beispiel aus Nigeria im Direktflug in die Schweiz – und erst noch günstiger, als mit den Schlepperbanden

Wenn das Rote Kreuz ins Schlachtfeld zieht – und in Jenfeld Zelte baut.

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Flyer Wenn das Rote Kreuz ins Schlachtfeld zieht

Im Anbetracht aktueller Ereignisse in Hamburg-Jenfeld, wo das Deutsche Rote Kreuz ein Zeltlager für Geflüchtete errichten soll und rassistische Anwohner versuchen, die Unterbringung Geflüchteter in Jenfeld zu verhindern, hier ein Beitrag zur Rolle des Roten Kreuzes in der rassistischen Verwaltung des Systems von Grenzen, Lagern und Papieren. Ein Beitrag zur Schärfung unserer Feindschaft gegenüber der Welt der Papiere und zur Diskussion zur Solidarität mit Geflüchteten.

Dem rassistischen Mob und der Welt der Papiere entgegen – denn die Feinde der Freiheit sind die unseren.

Als wir noch klein waren, hat man uns immer gelehrt, dass das Rote Kreuz und seine Schwesterorganisationen zu jenen Institutionen gehören, die ein grosses Herz haben. Auch wenn sie im Grunde nichts am Funktionieren dieser durch Ausbeutung, Krieg, Elend und Unterdrückung beherrschten Welt verändern, so versuchen sie zumindest die Verletzten zu pflegen und ihre Schmerzen zu lindern, wie sie in ihrer zutiefst religiösen Sprache sagen.

Doch eine neutrale Hilfeleistung kann es nicht geben, und im Falle des Roten Kreuzes ist dies unschwer zu erkennen…
Während jedes Jahr millionen von Menschen vor Hunger, Katastrophen, Krieg und Unterdrückung fliehen, in der Hoffnung irgendwoanders ein besseres Leben aufbauen zu können, warten hier in Europa Rassismus, Razzien, grenzenlose Ausbeutung und, letzten Endes, Internierungszentren und Ausschaffungen auf sie. Wenn Flüchtlinge in Europa ankommen, werden sie oft erstmal in sogenannte “offene Asylzentren“ gepfercht (mehrere dutzend dieser Zentren werden ausschliesslich vom Roten Kreuz verwaltet). Diese sind genau wie die Internierungszentren, mit Stacheldraht umzäunt und auch hier kommen jeden Abend die Wächter, um die Türen abzuschliessen. Man lehrt hier die Asylsuchenden den Gesetzen des Kapitalismus und seiner Demokratie zu gehorchen (z.B. werden die vom Roten Kreuz eingesammelten Kleider an die “Bewohner“ verkauft, welche mit sanfter Hand gezwungen werden entweder im Zentrum, oder für die lokale Gemeinde praktisch unbezahlte Arbeit zu verrichten – sie sollen an das Schicksal der Ausbeutung gewöhnt werden, das auch hier auf sie wartet). Diese Zentren haben ausserdem den Zweck die Asylsuchenden im Griff zu halten und sie Abhängig zu machen, damit sie sich nicht in ein selbstständiges Leben ausserhalb des abgeschlossenen Bereiches wagen. Unter dem Vorwand von humanitärer Fürsorge organisiert der Staat also eine permanente Kontrolle über all diese Unerwünschten. Wird das Asylgesuch abgelehnt, kommt die Polizei in diese neutralen und offenen Zentren, um die zurückgewiesenen Flüchtlinge zu verhaften und in das Elend oder den Tod auszuschaffen. Das Rote Kreuz kann schlussendlich nie eine neutrale Hilfeleistung anbieten, seine Aktivitäten sind ein integraler Bestandteil der Politik zur Verwaltung und Kontrolle der Migration.

Das Rote Kreuz unterhält ausserdem enge Verbindungen zur Internationalen Organisation für Migration (IOM), eine Institution, die versucht die Migrationsströme den Bedürfnissen des Kapitalismus und der sozialen Kontrolle anzupassen. Dieselbe Institution bedient sich der Hilfe verschiedenster humanitärer Organistionen und NGOs, um ihre Erpressung mit “RückkehrpraÅNmien“ durchzuführen. Den Flüchtlingen wird, nachdem sie von diesem System jeglicher Perspektive beraubt wurden, eine ärmliche Entschädigung angeboten, falls sie freiwillig in ihr Herkunftsland zurückkehren. Es ist ganz simpel: Zuerst raubt man ihnen jegliche Zunkunft, dann schliesst man sie in “Auffangzentren“ ein und macht klar, dass sie auch hier nur die Armut erwarten wird, und schliesslich erpresst man sie mit einigen hundert Euros, damit sie die Gründe vergessen, wegen denen sie geflüchtet sind… In anderen europäischen Ländern, wie in Italien und Spanien, ist das Internationale Rote Kreuz direkter Verwalter jener Ausschaffungsknäste, in welche die Flüchtlinge nach dem Gerichtsverfahren eingesperrt werden. Internierungszentren mit ihren Wächtern, ihren Isolationszellen, ihrer Prügel, ihren Missständen und schlicht dem Entziehen der Freiheit. Hier zeigt sich das Rote Kreuz erneut ganz klar als das, was es wirklich ist:

Der humanitäre Flügel der Herrschaft.
In Belgien sind es die Sanitäter des Roten Kreuzes, die nach den Aufständen in den Zentren die Verwundeten versorgen und mit Beruhigungsmitteln vollstopfen, ohne die geringste Kritik von sich hören zu lassen. In Roissy (Paris), verwaltet das Rote Kreuz zusammen mit der Polizei die Wartezone für die Sans-Papiers, die am Flughafen ankommen. Ausserdem dienen sie zur Rückendeckung bei Methoden der Grenzpolizei (Handschellen, Schläge, Knebel, Drogen) bei gewaltsamen Ausschaffungen per Flugzeug.

Während einer riesigen Razzia am 17. August 2006 wurden 508 Afrikaner und Osteuropäer aus einem Haus in Cachan (Frankreich) vertrieben, das sie seit 2003 besetzt hielten. Jeder Bus der Präfektur der die Geräumten wegtransportierte, um sie in immer ferneren Vororten wieder auszusetzen, wurde ausserhalb von blau Uniformierten eskortiert und innerhalb von zwei Mitgliedern des Roten Kreuzes begleitet.
Vom September 1999 bis 2002 trugen diese Handlanger des Staates die Verantwortung über die Verwaltung des Hangars bei Sangatte in der Nähe von Calais. Dort isolierten sie ca. 1800 Flüchtlinge in Zusammenarbeit mir der CRS (mobile Bereitschaftspolizei von Frankreich), die das unerwünschte Lager solange überwachte, bis der Staat mit dem Bau eines Internierungszentrum gleich nebenan fertig war. Vom November 2002 an fichierten sie schliesslich alle Flüchtlinge, um die Zerschlagung des Lagers und die darauf folgende Menschenjagd vorzubereiten.

All dies, das bedeutet seine Seite zu wählen.
Doch es gibt nicht nur die Sans-Papiers, die an den Ufern von Spanien stranden oder jene, die erschöpft in irgendwelchen europäischen Flughäfen den Fuss auf die Erde setzen. Es gibt auch die millionen von Flüchtlingen im Mittleren Osten und in Afrika, die von Kriegen, Elend oder ökologischen Katastrophen umhergetrieben werden, um schliesslich in riesigen Konzentrationslagern zu landen (im engeren Sinne des Wortes: Administratives Einschliessen einer Kategorie von Menschen an einem abgegrenzten und kontrollierbaren Ort aus rassischen und kontrolltechnischen Gründen oder zum Zweck der Ausbeutung). Diese Lager wurden oft vom Roten Kreuz verwaltet, und zwar nicht bloss mit seinen Sanitätern, sondern auch mit seinen Sicherheitsbeamten. Folglich stärkt das Rote Kreuz schlicht die gegenwärtige Ordnung, die sich aus Unterdrückern und Unterdrückten zusammensetzt – und während sie letztere verpflegen, versuchen sie auch ihre Revolte zu ersticken, die Revolte, die als einziges wirklich etwas verändern kann.

Als die Armeen der Demokratie in Ex-Jugoslavien, in Afghanistan und im Irak einmarschierten, scharten sie die humanitäre Armee des Roten Kreuz hinter sich. Unter dem Vorwand vor der Politik einer ethnischen Säuberung schützen zu wollen, übernahm das Rote Kreuz die Verwaltung einer Reihe von Konzentrations- und Gefangenenlagern in Ex-Jugoslavien. Tatsächlich versuchten sie jedoch die europäische Politik zur Kontrolle der Migrationsströme in die militärischen Manöver der UNO einzuführen. Jeder weiss, dass es unmöglich ist in Zeiten des Krieges neutral zu bleiben (und nicht wenige kritische Angestellte des Roten Kreuz haben ihre Arbeit niedergelegt, weil sie diese abscheuliche Neutralität nicht länger ertragen konnten). Neutral bleiben bedeutet das Lager des Stärkeren zu wählen – auch wenn man die Schwächeren verpflegt. Heutzutage werden Kriege “humanitär“ geführt, doch welcher vernünftige Mensch könnte jemals glauben, dass irgendetwas humanitäres in den Bombardierungen, den schmerzzerrissenen Körpern, den Verletzten und den Vergewaltigungen liegt? Während es eine Neutralität vortäuscht, verstärkt das Rote Kreuz schlicht die bestehenden Machtverhältnisse. Im Irak, in Afghanistan, sowie anderswo.

Die scheinbar endlose Geschichte von Ausbeutung und Unterdrückung hatte schon immer einen Trupp von Kollaborateuren nötig, die sich freiwillig hinter einem „das wusste ich nicht“ verstecken. Die Demokratische Verwaltung des Kapitalismus und der Unterdrückung hat alles Interesse daran, das was in der Zeit der Vernichtungslager der Nazis einmal “die graue Zone der Kollaboration“ genannt wurde, so weit wie möglich auszudehnen. Sich zu weigern mit einem System zu kollaborieren, das systematische Deportationen organisiert, um die ökonomischen Profite und die Macht von einigen Menschen zu schützen, bedeutet die Möglichkeit einer wirklichen Kritik zu öffnen; einer Kritik, die sich gegen diese Welt richtet, in der wir gezwungen sind zu leben. Es bedeutet die humanitäre Hülle abzukratzen, die dieses tödliche System der Deportation, der Einkerkerung und der Ausbeutung verhüllen will!


Dieser Text wurde aus der französischen Zeitschrift “Non Fides“ (Nr. IV, Mai 2009) entnommen und übersetzt.

Quand la Croix-Rouge part en croisade…(PDF)

Ein weitere Broschüre auf französisch zur Rolle des Roten Kreuzes findet ihr hier

 

Palaiseau (Esonne, Frankreich): Schön wie ein Ausbruch im alten Stil

übersetzt von Brèves du désordre

Eine filmreife Flucht. Fünf illegalisierte Männer sind in der Nacht vom 30. Juni auf den 01. Juli aus dem CRA (centre de rétention administrative, Administrativhaft) von Palaiseau ausgebrochen. Vier von ihnen wurden wieder verhaftet. Ein Tunesier wird noch immer gesucht.

Für diesen Abgang ohne Abschied haben sie die Gitterstäbe aus einer ihrer Zellen in der 1. Etage des Gebäudes herausgesägt und sind von da in den Aussenhof gelangt.

Ein Strick am Gitterstab
Bei früheren Ausbruchsversuchen haben sich die Gefangenen beim Sprung jeweils verletzt. Dieses Mal haben die Flüchtigen ihre Bettlaken zusammengebunden, um so über den Strick, welcher an einem Gitterstab befestigt war, ungehindert zu Boden zu kommen. Dort angekommen, haben sie die Absperrgitter zerlegt und sind anschliessend in der Natur verschwunden. Die Grenzschutzpolizei hat in der Folge vier der fünf Geflohenen wiedergefunden und sie vorübergehend festgenommen. Die inhaftierten Ausbrecher haben sich dem widersetzt und dadurch zwei Funktionäre leicht verletzt.