Spanien: Start einer antinationalistischen Kampagne

gefunden auf contra info

Der folgende Text ist als Flugblatt, zusammen mit dem hier gezeigten Poster sowie Aufklebern, Teil einer offenen Kampagne gegen Nationalismus in all ihren Ausdruckformen. Das Material soll spanienweit verteilt werden. Die Seite ContraMadriz stellt Druckvorlagen im PDF Format zur Verfügung und im Freiraum “Local Anarquista Motín” in Madrid liegt alles, bereits ausgedruckt, zum Abholen bereit. 

Gegen den Staat und das Kapital, Der Kampf ist der einzige Weg. Der Kampf findet auf der Straße statt.Keine Nationen oder Grenzen

Gegen den Staat und das Kapital, Der Kampf ist der einzige Weg. Der Kampf findet auf der Straße statt. Keine Nationen oder Grenzen

KEIN STAAT WIRD UNS BEFREIEN

Kein Staat, ob spanisch oder katalanisch, wird uns irgendeine Art von Freiheit geben. Denn jeder Staat hat den Daseinszweck, die Ausgebeuteten zu unterwerfen und die Privilegien der herrschenden Klassen zu garantieren. Der Staat regelt die Ausbeutung durch das Gesetz und kümmert sich darum sicherzustellen, dass die Unterdrückten sich niemals gegen eine Ordnung erheben, die uns auf dem ganzen Planeten ausbeutet, erniedrigt, räumt, betrübt, bestiehlt und ermordet.

Keine Polizei, ob Mossos, Zivil- oder Nationalgarde schützt uns. Sie sind Spezialeinheiten des Staates, die das Privateigentum schützen und sind die Beauftragten für die Unterdrückung und Verfolgung von all denen, die nicht niederknien und sich dafür entscheiden gegen ihre verdorbene Welt zu kämpfen. Es gibt keine gute oder schlechte Polizei, alle repressiven Körper gehorchen einer ganz bestimmten Logik: Aufrechterhaltung der Ordnung. Lasst uns die Handlungen der Polizei bei Generalstreiks, Demonstrationen, Razzien in Vierteln, rassistische Kontrollen, Überwachung von Gefängnissen, bei Zwangsräumungen und Vertreibungen und sogar als Fremdbesatzungsmacht (hier sein an die hohe Zahl zu internationalen Missionen entsandter Polizeikräfte erinnert.) nicht vergessen. Sie gehorchen und dienen ihren Meistern.

Die Demokratie, parlamentarische Institutionen und Politiker*innen kümmern sich nicht um unsere Interessen, sondern nur um ihre eigenen. Um diese sollte sich niemand außer uns selbst kümmtern. Unsere Herrscher zu wählen, sich Mehrheiten / Minderheiten zu unterwerfen, sich im demokratischen Rahmen zu bewegen, lässt uns zu Handlanger*innen unserer eigenen Beherrschung werden und begründet in uns den Geist der Delegation an Professionelle. Wir haben unser Leben in ihre Hände gelegt. Wir vertrauen Politiker*innen, die nur versuchen (wie alle) von unseren Kämpfen und unseren Gefühlen zu profitieren, so lange wir uns unterwerfen oder nach Unterwerfung streben und uns zu einer kriecherischen Masse werden lassen, die sich nach Wahlinteressen und Machkämpfen entsprechend, mobilisieren oder demobilisieren lässt.

Kein Nationalismus oder keine Flagge sollte uns vertreten. Als Unterdrückte und Ausgebeutete sollten wir verstehen, dass wir mehr mit anderen Ausgebeuteten und Unterdrückten gemeinsam haben, als mit Unternehmer*in oder Politiker*innen, die am selben Ort, wie wir geboren sind. Nationalismus und Patriotismus sind Werkzeuge der Macht, mit denen sie die Unterdrückten infizieren und manipulieren und erreichen, dass sie mit vor ihren UnterdrückerInnen von selbst kuschen, um uns mit unseren Klassenfeinden und ihren ständig wechselnden Projekten und Bedürfnissen zu verbinden. Die Zuneigung für die Erde , auf der wir leben oder unsere Sprache wird hergenommen, um die Schaffung neuer Staaten zu rechtfertigen. Dabei wird übersehen, dass Kultur etwas lebendiges sein sollte, in ständiger Evolution und freier Entwicklung zwischen Individuen und Gemeinschaft. Der Staat ist der Tod aller freien Entwicklung, in dem er Grenzen errichtet und die Saat von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit keimen lässt.

Unter dem Kapitalismus, dem Staat und jeder Form von Autorität werden wir niemals frei sein. Lasst uns eine neue Welt auf den Ruinen der autoritären und staatlichen Gesellschaft aufbauen. Wir bauen und kämpfen für Anarchie, als ständiger Kampf gegen alle Formen der Unterdrückung und Ausbeutung, der Solidarität und der gegenseitigen Unterstützung mit unseren Gefährt*innen, egal woher sie kommen.

KEINE NATIONEN ODER GRENZEN

Calais, Frankreich: Zwei Strassenblockaden in der Nacht auf Montag

übersetzt von nordeclair.fr

In der Nacht von Sonntag (15.07.17) auf Montag (16.10.17) mussten zwei von Migranten errichtete Strassenblockaden von der Polizei geräumt werden. Die eine Blockade befand sich in der rue de Judée in der Industriezone Marcel-Doret und die andere in der rocade-est auf der Höhe der Bahngleise bei Beau-Marais.

Zwei Fahrzeuge wurden beschädigt, verletzt wurde niemand.

 

Versenken wir die ArchitektInnen der Repression in ihrem eigenen Beton!

gefunden auf barrikade

Ausschreibung des Wettbewerbs zum Bau des Bundeslager für Asylsuchende (BfA), sowie für einen neuen Gebäudekomplex, der die neuen Lokalitäten der Internationalen Polizei, das Kooperationszentrum der Polizei und Zollbehörden (CCPD) und ein Abschiebezentrum in Genf beherbergen soll.

Angesichts der Verschärfungen im Schweizer Migrationsregime (insbesondere die beschleunigten Verfahren) und im Kontext der grundsätzlichen Effizienzsteigerung in Verwaltungs-, Kontroll- und Repressionsinstitutionen, sollen in den nächsten Jahren in Genf gleich mehrere neue repressive Strukturen entstehen.
Konkret beabsichtigen die kantonalen und eidgenössischen Autoritäten, Hand in Hand zwei neue Gebäude ( für ungefähr 63 mio CHF) zu bauen – ein Bundeslager für Asylsuchende (Warte- und Ausreisezentrum) mit 250 Plätzen wie es im Restrukturierungsplan Asyl vorgesehen ist und neue Gebäude für:

  1. die Internationale Polizei (PI), die sich aus zahlreichen Dienststellen zusammensetzt, die zurzeit noch über den ganzen Flughafen verteilt sind
  2. das Kooperationszentrum der Polizei und Zollbehörden (CCPD)
  3. ein Zentrum für Adminstrativhaft und Rückführungen, bestimmt für illegalisierte und durch den Staat als unerwünscht betrachtete Menschen

In Genf, wie auch anderswo, sind die Abschiebegefängnisse überbelegt, die Dauer der Aufenthalte sind endlos, die Haftbedingungen sind mies… und wir hören immer wieder von Ausbruchsversuchen, manchmal erfolgreichen. Für dieses Projekt sind die Anweisungen klar: umzäunte Gebäude, Notausgänge die nicht auf die Strasse führen, ein einziger stark überwachter Eingang, Panzerglas, gesonderte Parkplätze, nicht einsehbare Zonen, Räume speziell gebaut für (Körper)-Durchsuchungen und die Abnahme von Fingerabdrücken, Isolationszellen ohne Tageslicht, direkter Zugang der Polizei zu allen Räumlichkeiten, etc. Dies soll die Optimierung der Abläufe und den „rythmischen“ Prozeduren garantieren.

Es ist auf einer Parzelle, die an die Piste des Flughafens angrenzt, auf dem Boden der Gemeinde Grand- Sacconex, wo die Autoritäten diesen grossen und unter Dauerüberwachung gestellten Gebäudekomplex realisieren wollen. Ein Bundeslager um die beschleunigten Asylverfahren zu verarbeiten, ein Gefängnis um Administrationshaft, vorgesehen für Warteaufenthalte der „kurzen Dauer“, durchzusetzen. Eine Konzentration von verschiedenen Polizei und Zoll Diensten. Das ganze Seite an Seite gebaut und durch Laubengänge verbunden, schön integriert in den Gesamtkomplex des Flughafens. So kann man aus der Wettbewerbsauschreibung lesen:

Das Programm der beiden Gebäude ist eng mit Betrieb des Flughafens verbunden

Die geplante Infrastruktur ist koordiniert und vernetzt und somit ein Abbild seiner sozialen Funktion. Dieses Lager wird Menschen einsperren, die nicht den Normen entsprechen, die nicht verwertbar sind, die weder das Privileg besitzen, reich zu sein, noch die richtigen Papiere zu besitzen. Menschen die sich verteidigen oder sich auflehnen werden kriminalisiert, an einem Ort konzentriert, eingesperrt und schlussendlich deportiert.

Zwischen dem Start der Bauarbeiten und dem Zeitpunkt wo diese Gefängnisse im Beton materialisiert sein sollen, vergeht noch eine Weile. Indessen ist die Einreichefrist des Planungs- und Architekturwettbewerbs zur Realisierung dieses Komplexs bald abgelaufen. Die Architekten und Bauingenieure haben noch bis zum 20.Oktober 2017,12.00 Uhr Zeit, ihre dreckigen Beiträge den OrganisatorInnen des Wettbewerbs per Post, zuzustellen.

  • Adresse der OrganisatorInnen
    REPUBLIQUE ET CANTON DE GENEVE
    Département des finances (DF)
    Office des bâtiments Direction des constructions
    Concours PI-CFA
    Boulevard St. Georges 16
    Case postale 22
    1211 Genève 8
  • Adresse des Sekretariats des Wettbewerbs
    MIDarchitecture Sàrl
    „Police internationale et centre fédéral pour requérants d’asile/fonctions attente-départ“
    27 rue Louis-Favre
    1201 Genève
    e-mail : pi-centrededepart@midarchitecture.ch

Sabotieren wir den Bau all dieser Schändlichkeiten. Auf dass die Sonne niemals auf diese Bauwerke der Repression scheinen mag. Senden wir, für heute, unsere eigenen Vorschläge welcher Form auch immer, als stinkende Pakete oder lärmige Briefe an die Verantwortlichen dieser Projekte. An alle GestalterInnen und Planerinnen der Einsperrung, der Staatsgewalt, der Ausgrenzung, der Ausbeutung und der Abschiebungen.

Bis ihre Briefkästen platzen – Feuer allen Gefängnissen

München, Deutschland: Brandanschlag auf Übungsgelände der Bundeswehr

gefunden auf de.indymedia

In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober 2017 wurde auf einem Übungsgelände der Bundeswehr am Starnberger See bei München ein Brandanschlag auf Militärfahrzeuge verübt.

Am 4. September 2009, also vor 8 Jahren beging die Bundeswehr im afghanischen Kunduz ein Massaker an der örtlichen Zivilbevölkerung, indem sie zwei zuvor gestohlene Tanklaster von us-amerikanischer Luftwaffe bombardieren ließ. Dabei kamen 100 Zivilisten ums Leben. Verantwortlich für diesen Einsatz ist der damalige Kommandeur des sogenannten Provincial Reconstruction Teams der Bundeswehr Oberst Georg Klein. Er ging nicht nur unbeschadet aus diesem Kriegsverbrechen hervor – nach einem Jahr wurden die Ermittlungen von der Bundesanwaltschaft eingestellt. 2013 wurde er sogar zum Brigadegeneral befördert und leitet inzwischen den gesamten Ausbildungsbereich der Bundeswehr als „Geschäftsführender General des Bundesamts für Personalmanagement der Bundeswehr“.

Während die Mörder auf der Karriereleiter nach oben klettern dürfen, werden Geflüchtete aus Afghanistan wieder abgeschoben, in Sammeltransporten, die unter anderem auch vom Flughafen München starten.

War starts here – let‘s stop it here!
Gegen jeden Krieg, gegen jede Abschiebung!
Stop deportation!

Madrid, Spanien: Weder Nation, noch Staat, noch Kapitalismus – Geldautomat der CAIXA Bank sabotiert

übersetzt von contramadriz und sans attendre demain

In den ersten Stunden des 12. Oktobers, in der Nacht vor dem kolonialistischen und militaristischen Fest zugunsten des spanischen Nationalismus, wurde ein Geldautomat der CAIXA Bank im Quartier Vallekas kaputt gemacht und folgender Spruch hingeschrieben: „Das ist unsere Unabhängigkeit: Weder Nation, noch Staat, noch Kapitalismus“.

Die Botschaft ist einfach: Während der katalanische und spanische Nationalismus unter dem Banner der Demokratie reaktiviert wurde, haben wir uns entschieden, zu handeln und das anzugreiffen, was uns wirklich unterdrückt, ausbeutet und uns unserer Unabhängigkeit beraubt. Wir sind müde zu warten, müde zuzuschauen, wie die Demokratie, der Staat und ihre repressiven Körper durch den Nationalismus wieder an Legitimität gewinnen.

Wir attackieren das, was uns utnerdrückt: Grenzen, Nationen, Banken, Bosse, Staat, Kapitalismus, Patriarchat… Mit diesem kleinen Angriff rufen wir dazu auf, die Angriffe gegen den Kapitalismus, die Staate und ihre Interessen auszuweiten. Wir werden nicht auf irgendeinen Prozess warten, um den Kampf für die Anarchie, die einzige Form der Unabhängigkeit, die wir anerkennen, fortzuführen.

Weder Nation, noch Staat, noch Kapitalismus!

Anarchist_innen gegen den Patriotismus.

 

Update zu den Hausdurchsuchungen vom 5. Oktober 2017

gefunden auf barrikade

Am 5.10.2017 kam es nach unseren Kenntnissen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt zu fünf Hausdurchsuchungen in den Kantonen Basel-Stadt und Zürich.

In einem Fall wurde die betroffene Person angetroffen und festgenommen, an den anderen Orten waren die Personen zur Zeit der Hausurchsuchungen nicht anwesend. Zwei Personen gingen dann im Laufe des Donnerstags bei der Staatsanwaltschaft vorbei. Auch diese zwei Personen wurden vorläufig festgenommen, seit Freitagnachmittag befinden sich aber alle drei wieder auf freiem Fuss.

Bei den Hausdurchsuchungen wurden diverse Gegenstände beschlagnahmt, so z. B. Computer, Handys und Kleidungsstücke. Bei den drei vorläufig festgenommenen Personen kam es zu einer DNA-Entnahme, in einem Fall unter Anwendung von Gewalt und in einem anderen Fall unter der Androhung von Gewalt.

Aus den durchgeführten Verhören wurde klar, dass den Betroffenen die Teilnahme an einer Demonstration im Mai 2017 gegen den Erweiterungsbau des Bässlergut-Gefängnisses vorgeworfen wird. Sie werden des Landfriedensbruchs beschuldigt, allenfalls auch noch der Sachbeschädigung.

Zu den Hintergründen: Die besagte Demonstration zog in die Richtung des Bässlergut-Gefängnisses. Sie wurde jedoch auf halbem Weg von der Polizei aufgehalten. Nach einem missglückten Versuch die Demo einzukesseln, löste sich diese auf. Niemand wurde angehalten oder kontrolliert. Es kam zu keinen Konfrontationen mit der Polizei.

Was jedoch aus den Verhören auch klar wurde: Die Polizei und die Staatsanwaltschaft versuchen, diese Demonstration und die jetzt Beschuldigten mit diversen Sachbeschädigungen und Sabotageakten in Verbindung zu bringen, welche in den letzten Monaten gegen den Erweiterungsbau des Bässlergut-Gefängnisses begangen wurden.

Wie den Medien zu entnehmen war, wurde von den Behörden dazu eine spezielle Ermittlungsgruppe gegründet und auch der Nachrichtendienst des Bundes eingeschaltet.

Unserer Meinung nach stehen die Behörden wegen dieser Taten unter enormem Druck. Deswegen wird nun versucht, aus der Demonstration und den anderen Aktionen einen Zusammenhang zu konstruieren. Sie versuchen nun, aufgrund angeblicher Beweise der Teilnahme an der Demonstration, Menschen zu schikanieren und die DNA-Datenbank zu erweitern.

Soweit das Update. Wir werden weiter informieren wenn sich Neuigkeiten ergeben. Falls ihr von weiteren Hausdurchsuchungen, Festnahmen oder Vorladungen in diesem Zusammenhang wisst, bitten wir euch, uns zu informieren.

Antirep Basel

Berlin, Deutschland: Hämmer, Steinen und Farbe gegen Bundesdruckerei und DuMont Mediengruppe

gefunden auf chronik

Als sich die KriegstreiberInnen der zwanzig mächtigsten Industriestaaten dieser Welt in Hamburg einfanden, war auf den Titelseiten der Tageszeitungen von Bürgerkrieg und Straßenterror, von Hasschaoten und Mordbrennern zu lesen. Nicht etwa um die Verbrechen der AnzugträgerInnen in ihren gepanzerten Limousinen zu benennen, sondern um das Fest der Revolte, das sich gegen die Welt der G20 entzündete zu diffamieren, delegitimieren und beschmutzen. Bürgerliche Presse, PolitikerInnen und Bullen übertrumpften sich gegenseitig im Wetteifern um die kreativsten Wortschöpfungen in der Propagandaschlacht zu den Ereignissen. Dabei zielte das Vokabular der Herrschenden und ihrer willigen Schreiberlinge der Schmierblätter darauf ab, uns zu spalten, Solidarität zu durchbrechen und das Handeln der Akteure in die Logik der Kriminalisten zu pressen um das Fundament für eine juristische Abhandlung der Geschehnisse zu legen. Das Ergebnis davon sind nun die Schauprozesse, in denen die DienerInnen des Staates die „ganze Härte des Gesetzes“ auffahren, um ein Exempel zu statuieren. All diejenigen, die sich an dieser Hatz beteiligten, tragen die Verantwortung dafür, dass Menschen in Hamburg im Knast sitzen und wahrscheinlich noch lange Zeit ihrer Freiheit beraubt werden.

Im Fahrwasser der losgetretenen Medienkampagne nutzen nun Scharfmacher aus dem Bundesinnenministerium wie Thomas De Maizièredie Gelegenheit, um gegen den sogenannten Linksextremismus ins Feld zu ziehen und seinem paranoiden Dasein eine Wichtigkeit zu geben. Nazis undislamistische Fanatiker sind für ihn gleichermaßen Terroristen wiedie Menschen, die gegen die Herrschaft der G20-Staaten auf die Straße gehen. Die Propaganda zum Ausnahmezustand setzt sich fröhlich fort. Dem Einsatz der Antiterroreinheiten des SEKs auf dem Schulterblatt in Hamburg sollten diesen Sommernoch zwei weitere folgen, wie bei der Räumung der besetzten Teppichfabrik und bei einer antifaschistischen Demo in Wurzen. Für die KrawallmacherInnen werden Fußfesseln und Reiseverbote gefordert und nachdem der CDU-Generalsekretär Stefan Evers bereits im Frühjahr in reinstem NS-Sprech vom „Ausräuchern der Linksfaschisten“ träumte, sollen autonome Zentren und Projekte wie die Rote Flora oder die Rigaer Straße nun zum Abschuss freigegeben werden. Das ZDF setzt noch einen oben drauf und holt sichRat bei einem AFD-Politiker für die Doku „Gefahr von Links“, in der verzweifelt versucht wird, eine Verbindung derrebellischen Tage vonHamburg mit der RAF herzustellen, um die Terrorismus-Thesen zu untermauern.

Es ist klar, dass die Tatsache, dass Neonazis seit langem wieder eine Blutspur durch die Republik ziehen, in dem reaktionären Weltbild der ExtremismustheoretikerInnen nur ein Schönheitsfehler ist. Die knapp 200 rassistischen Morde seit Anfang der 90er Jahrenhindert sieaber keineswegs an ihren rechts/links Vergleichen. So verwundert es nicht, dass die Hetze gegen Geflüchtete und die rassistischen Mobilisierungen der letzten Jahre im gesellschaftlichen Konsens untergehen, während in einer großangelegten medialen Inszenierung die Internetplattform linksunten.indymedia verboten wird. Ein Wahlkampfmanöver zum Stimmenfang undals Beleg dafür, dass „Recht und Ordnung“ auch nach dem Gipfeltreffen noch herrschen.

Solche Angriffe auf unsere Strukturen und die Repression, mit der die Gefangenen der G20 Proteste nun konfrontiert sind, überraschen uns nicht sonderlich, schließlich haben wir noch nie an den bürgerlichen Rechtsstaat geglaubt. Mit welcher Vehemenz aber an der Eskalationsschraube gedreht wird und wie unverblümt die Feinde der Freiheit ihre demokratische Maske fallen lassen, ohne dass dies für Empörung sorgt, lässt tief blicken, in welchem Zustand sich die vermeintlich demokratische Gesellschaft befindet. Uns jedoch bestärkt es nur weiter in unserer Überzeugung, dass die herrschende soziale Ordnung auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.

Deswegen haben wir in der Nacht vom 26.9 zum 27.9 die Bundesdruckerei und den Neubau der du Mont Mediengruppe in der Alten Jakobstraße mit Farbe, Steinen und Hämmern angegriffen und den Slogan „Free G20 Prisoners“ hinterlassen. Mit dieser Geste der Solidarität senden wir kämpferische Grüße an die Gefangenen in Hamburg, dieMacherInnen von Indymedia-Linksunten und an die Betroffenen der Hausdurchsuchungen, die gestern Morgen am 7.9. an 14 verschiedenen Orten durch die „Soko Schwarzer Block“ veranlasst wurden. Weiter wünschen wir Kara and Krem, die in Paris angeklagt sind, weil ihnen vorgeworfen wird sich an der Zerstörung einen Bullenautos beteiligt zu haben, viel Kraft und Durchhaltevermögen.

Die Bundesdruckerei, die seit 2009 wieder in staatlicher Hand ist, und die Veridos GmbH, eine Kooperation der Bundesdruckerei und Giesecke & Devrient (G&D), die im selben Haus sitzt, sind zurzeit dabei, im Namen des Antiterrorismus eine biometrische Firewall um die Festung Europa zu errichten. So werden innerafrikanische Grenzanlagen mit biometrischen Lesegeräten aufgerüstet und die dazu passenden Personalausweise mit biometrischen Bildern für verschiedene afrikanische Staaten hier in Berlin gedruckt. Ziel ist die Erfassung biometrischer Daten aller EinwohnerInnen des gesamten Kontinents, um die EU-Außengrenzen bereits auf dem afrikanischen Festland vor Migrationsbewegungen zu schützen. Damit ist die Bundesdruckerei ein wichtiges Standbein in der Sicherheitsarchitektur Europas und dem Ausbau seiner tödlichen Grenzen.

Die Du Mont Mediengruppe ist Verlegerin von verschiedenen großen Tageszeitungen in Deutschland, unter anderem der Hamburger Morgenpost, dem Berliner Kurier und der Berliner Zeitung. Diese sind durch ihre Hetze und Diffamierungen mitverantwortlich für die Kriminalisierung der G20-Proteste und den daraus folgenden Angriffen auf antiautoritäre Strukturen. Sie und ihre KollegInnen vom Springer-Verlag sind die Handlanger der reaktionären SicherheitsfanatikerInnen.

Weg mit diesem Staat und seinen VerteidigerInnen

Freiheit für alle Gefangenen – Feuer den Knästen

Gegen die Gewohnheit

übersetzt von attaque und macerie

Einmal mehr sind wie hier, in den Zellen eines Gefängnisses. Einmal mehr sind wir angeklagt, dass wir „uns eingemischt haben“, dass wir versucht haben, eine x-te Kontrolle von Migranten im Quartier, in dem wir leben, zu verhindern.

Eine Kontrolle zu blokieren ist ein sehr schwierig zu erreichendes Ziel, gerade wenn die Ordnungskräfte in Anti-Riot-Uniform auftauchen, teilweise sogar auf Pferden, wie das in Mailand der Fall war, und eine wahre militärische Operation durchführen.

Uns mit den Verhafteten zu solidarisieren und die Kontrolle „sichtbar“ zu machen, ist leider das magere Resultat, das wir erreichen konnten.

Das mag vielleich bizarr erscheinen, von der „Sichtbarmachung“ eines solch gewaltigen Ereignisses, wie einer polizeilichen Kontrolle inmitten eines Quartiers, zu sprechen. Eine Situation, in der die Polizeifahrzeuge, ihre Kastenwagen, die Bereitschaftspolizisten mit Helmen und Knüppeln sicherlich nicht unbemerkt bleiben.

Und genau das ist der Punkt. In diesen düsteren Zeiten, in denen die bis zu den Zähnen bewaffneten Soldaten, die durch unsere Strassen ziehen, und die Kontrollen nach ethnischen Merkmalen, die die Nachkriegsdemokratie so entsetzt haben, die alltägliche Gewohnheit geworden sind. Die Normalität ist, wie man weiss, aus der Barbarei gemacht.

Diese gleiche Normalität, die über dem Europa der Vergangenheit schwebte, dieser Welt der Peiniger, die „einfach nur die Befehle ausführten“, und der technischen Lösungen. Die Plätze sind die gleichen geblieben, auf denen die Gleichgültigkeit der Passanten von damals ein Widerhall in den geschlossenen Fenstern von heute findet.

Die Jagd auf die Migranten dient nicht nur dazu, einen Teil der Bevölkerung im Würgegriff zu halten, sie ist ein Aspekt des generellen Krieges gegen die Armen, von dem die Polizei der bewaffnete Arm ist.

Desweiteren haben die Schutzvorkehrungen gegen die Migration, die in den letzten Jahren ein unvorstellbares Mass erreicht haben, zum Ziel, den Migranten mittels den politischen und medialen Erzählungen als den falschen Schuldigen für die Misere hinzustellen, in die uns der Staat gezogen hat.

Es ist genau in den peripheren Quartieren der Städte, wo die Familien mit den unbezahlten Mieten aus ihren Häusern geschmissen werden und wo man sich bei der super-prekären Arbeit abrackert, in denen sich der Albtraum des Krieges unter den Ausgeschlossenen ausbreitet.

Der grosse Schwindel ist serviert und zuviele sind es, die darauf hereinfallen.

Verhindern, dass dies geschieht, ist für diejenigen, die sich entschieden haben, nicht im Elend zu leben, der Grund, für den sie ständig eingesperrt werden und Aufenthaltsverbote ausgesprochen bekommen, der Grund, für den sie in den Polizeistationen geschlagen und erniedrigt werden.

Kein Problem jedoch: Es ist der gleiche Grund aus dem wir Widerstand leisten, die Zähne fletschend, und uns organisieren gegen die Brutalität, die uns umgibt.

Ein Gefangener in meiner Abteilung hat mir gesagt: „Gegen den Staat Krieg zu führen… da verliert man immer“, sicher, da bin ich einverstanden, man verliert alles, wirklich alles, aber nicht die Würde.

Freiheit für alle

Antonio, Gefängnis Le Vallette, Turin, 05. August 2017

Fiasko-Magazin N°2

gefunden auf barrikade

Vor kurzem ist die zweite Ausgabe des antirassistischen Fiasko-Magazin aus Basel veröffentlicht worden. Darin finden sich etliche sehr lesenwerte Artikel zum Thema Migration und Antirassismus in Originalsprache und in englischer Übersetzung. Die ganze Zeitung kann auf fiasko-magazin.ch als .pdf heruntergeladen werden.

Editorial

Fiasko against fiasko

In der Schweiz, in Europa und vielerorts auf der Welt werden Migrant*innen als unerwünscht bewertet. Ankommende Menschen werden abgewiesen, isoliert, verwaltet und eingesperrt. Wer sich dem entgegensetzen will und zuverlässige Informationen sucht, steht vor einem undurchdringlichen Dschungel aus Gesetzen, Verordnungen und behördlicher Willkür. Die Medien sind voll von oberflächlichen Berichten aus der immer gleichen anmassenden Perspektive. An den Strukturen der Verhältnisse soll nicht gerüttelt werden – ganz anders der Anspruch dieser Zeitung!

face it: mehr als informieren und kommentieren

Hier sollen kritische und selbstbestimmte Texte Platz finden von Menschen, die nicht länger ein Migrationsregime mittragen wollen, das kategorisiert, unterdrückt und ausbeutet. Von Menschen, die genug haben von einer privilegierenden und ausgrenzenden Gesellschaft und ihre Stimme erheben wollen – leise und bedacht, laut und wütend. Von Menschen, die frei wählen wollen, mit wem sie wie zusammenleben, wo sich ihr Leben abspielen soll und dies für alle fordern – offen und solidarisch.

deal with it: mitdenken, austauschen und eingreifen

Diese Zeitung soll Bewusstsein stärken und Aktion gegen jegliche Praxis der Illegalisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung befördern. Bring dich mit eigenen Texten ein, um grundsätzliche Kritik an den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen, die das Migrationsregime stützen, zu üben. Die Formen sind vielfältig – neben Berichten und Artikeln sollen auch gestalterische Inputs wie Fotografien, Zeichnungen, Comics und Gedichte Platz finden. Alle Texte erscheinen in Originalsprache und in englischer Übersetzung.

go further: nutzen wir (das) Fiasko

Auf der letzten Seite: Orte als reale Treffpunkte, um sich auszutauschen, zu verbinden und sich zu organisieren. Und auf jede Ausgabe folgt ein Treffen, an dem anhand der Beiträge diskutiert wird. Zusammen möchten wir nach Wegen suchen, die Kontroll- und Sortiermaschine zu stören und solidarisch Alternativen zu Bunkeressen, Behördengängen und Bewusstlosigkeit zu entwickeln.