Category Archives: Lager

Bari Palese und Palazzo San Gervasio, Italien: Feuer und Radau in den CPRs gegen geplante Abschiebungen

übersetzt von hurriya

Bari Palese: Nur wenige Tage nach einem versuchten Massenausbruch aus dem CPR von Bari Palese, brach in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember eine Revolte im selben Lager aus.

Gemäss einer Erklärung der Ordnungskräfte zündeten einige Gefangene ihre Zellen an, verwüsteten einige Bürozimmer und überfluteten den Gang.
Die Medien sprachen von „Gästen“, die „Wohnmodule“ zerstört haben, so als ob es sich nicht um ein Konzentrationslager handeln würde.

Die Revolte brach aus, um eine Massenabschiebung nach Nigeria zu verhindern. Die Inhaftierten haben sich dafür auch mit Seife eingeschmiert, damit sie nicht festgehalten werden können.

Vor Ort waren mehrere Fahrzeuge der Polizei, um gegen die Aufsässigen durchzugreifen. Diese versuchten sich dagegen zu wehren, indem sie Gegenstände auf die Polizeikräfte warfen. Ein Polizist, zwei Carabineri und mehrere Gefangene wurden verletzt.

Das Feuer konnte von der Feuerwehr gelöscht werden. Die Schäden im Lager wurden noch nicht beziffert, doch es scheint, dass mehrere Teile des Lagers vom Brand betroffen waren.

Bis von den Lagern nur noch Asche übrigbleibt, unterstützen wir den Kampf der Eingesperrten.

Anmerkung vom 18. Dezember: Gemäss einem Medienartikel kam es am 16. Dezember zu einem neuen Protest im CPR. Einige Gefangene hätten zwei Matratzen angezündet, eine von sechs Abteilungen des CPR beschädigt und einen Feuerwehreinsatz provoziert.


Palazzo San Gervasio: Ein für die nächsten Tage vorgesehener Abschiebeflug nach Nigeria führte auch im CPR von Palazzo San Gervasio, in der Provinz von Potenza, zu einer rebellischen Reaktion.

Gegen 1 Uhr nachts (15.12.18) stellten sich etwa 15 Gefangene den Polizeikräften entgegen, die gekommen waren, um 6 Personen für die Abschiebung ins CPR von Ponte Galeria in Rom zu überführen. Wie bei ähnlichen solchen Vorfällen, haben die Inhaftierten die Fenster eingeschlagen, die Scheinwerfer zerstört und sind dann auf das Dach geklettert, von wo aus sie Gegenstände herunterwarfen, um sich gegen ihre Festnahme zu wehren. Die Revolte endete leider mit der Verhaftung von zwei Personen, die nun wegen Gewalt und Widerstand gegen Beamte sowie schwerer Sachbeschädigung angeklagt sind.

Verwüstet eure Käfige

gefunden in der Revolte Nr. 34 – anarchistische Zeitung aus Wien

Am 14. September wurde um 22:35 Uhr im Polizeianhaltezentrum Hernalser Gürtel in Wien, Brandalarm ausgelöst. Sechs Häftlinge hatten aus Protest gegen ihre Haftbedingungen und ihre bevorstehende Abschiebung in ihrer Zelle, im ersten Stock, Feuer gelegt. Sie hatten sich mittels eines umgeworfenen Spinds in der Zelle verbarrikadiert, Matratzen und Bettdecken angezündet und sich in der Toilette eingeschlossen. Dabei wurden die Zelle und das Inventar vollkommen zerstört.

Als die Bullen in die Zelle eindrangen, lag einer der Häftlinge bereits regungslos in der Zelle. Alle sechs Gefangenen wurden mit Rauchgasvergiftung, zwei von ihnen auch mit Verbrennungen, ins Krankenhaus gebracht. Mittlerweile wurden alle aus dem Krankenhaus entlassen und umgehend in Untersuchungshaft überstellt. Ihnen wird ‚versuchter Mord und vorsätzliche Gemeingefährdung‘ vorgeworfen.

Nach der Räumung der Zelle wurde ein schriftliches Statement der Gefangenen gefunden, das der Öffentlichkeit von den Bullen und den Medien als ‚Abschiedsbrief‘ präsentiert wurde. Im Brief hatten die Gefangenen davon geschrieben, dass sie keine andere Möglichkeit sahen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen, Widerstand gegen die Bedingungen der Schubhaft und die drohenden Abschiebungen leisten wollten. Der Brief ist laut Polizei von allen sechs Gefangenen unterzeichnet. Bis jetzt wurde der vollständige Brief von den Bullen nicht veröffentlicht.

Viel wurde spekuliert. Ob die Gefangenen wirklich Suizid verüben wollten? Ob es einen Rädelsführer gab? Und so weiter und so fort. Uns interessieren diese Abwägungen alle nicht. Die Schubhaft, diese ‚Haft ohne Delikt‘, ist für viele die in Europa als ‚unerwünscht‘ und ‚überflüssig‘ abgestempelt werden, bittere Realität. Deshalb gibt es viele, die dagegen rebellieren: mit Hungerstreiks, Selbstverletzungen, Selbstmordversuchen, Ausbrüchen, Fluchtversuchen, Vandalismus und Revolten.

In diesem Fall sind 5 der 6 Gefangenen aus Afghanistan. Warum jemand nicht nach Afghanistan abgeschoben werden will, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Denn das Land wird seit Jahrzehnten geknechtet. Als Spielball geopolitischer Herrschaftsansprüche von verschiedenen Großmächten, sowie religiösen Terrorregimen und Sekten.

Die Furcht vor den ‚anderen‘ greift um sich und versucht das Lager und das Gefängnis, als adäquate Mittel gegen diese zu legitimieren. Für die Einsperrung gibt es aber kein ethisches Argument. Ein Leben in Freiheit und Würde, kann nur auf den Trümmern der Gefängnisse begründet werden. Egal ob jene für MigrantInnen, Diebe, Revolutionäre, ‚Wahnsinnige‘, oder das große Gefängnis unter freiem Himmel, zu dem Europa immer mehr gemacht wird. Lasst uns die Käfige verwüsten!

Für weitere Informationen empfehlen wir den Text ‚Flammen für die Freiheit‘, der auf der Website no-racism.net nachgelesen werden kann!

Bellinzona: Sprüche und kaputte Fenster beim Roten Kreuz

übersetzt von freccia spezzata

Gemäss den Tessiner Medien kam es beim Sitz des Roten Kreuzes an der via Franscini in Bellinzona während dem ersten Wochenende im November zu Sachbeschädigungen. Alle Fenster wurden eingeschlagen und der Spruch „Stop bunker!“ hinterlassen.

Wir erinnern daran, dass das Rote Kreuz diverse „Aufnahmezentren“ für migrantische Menschen und Asylbewerber*innen verwaltet, darunter der Bunker von Camorino.

Turin, Italien: Rauch über dem CPR die Corso Brunelleschi

übersetzt von macerie

Rauch steigt über den Mauern des Gefängnisses für Sans-Papiers Corso Brunelleschi auf, ein Passant bemerkt sie und schliesslich erreicht die Botschaft auch einige Gefährt*innen, die im Kontakt mit Leuten innerhalb des Lagers stehen. Es genügen ein paar Worte am Telefon mit einem Gefangenen, um zu begreifen, dass es sich um eine Revolte handelt und dass die Räumlichkeiten brennen, einmal mehr.

Der Auslöser sei das Essen gewesen, das extrem verspätet erst um 15 Uhr serviert wurde und wie immer ekelhaft schmeckt. Dies ist nichts Neues, ebenso wenig wie die Lebensbedingungen im Lager, die sich mit dem Winter vor der Türe noch verschlimmern werden. Es überrascht also nicht, dass das Fehlen von warmen Kleidern ein weiterer Grund für die Revolte war.

Das Feuer brach im weissen Trakt aus und weitete sich von dort auf andere Abteilungen aus, zur Zeit ist der gesamte grüne Trakt unbrauchbar. Die Vergeltung der Polizei liess nicht lange auf sich warten, sowohl bei der Unterdrückung der Revolte als auch bei der Bestrafung einiger Inhaftierter, die in Isolation gesteckt und verprügelt wurden.

Die Gefangenen verweigerten am Ende des Tages das Essen. Sie gesellten sich damit zu anderen Gefangenen, die sich bereits seit einigen Tagen im Hungerstreik befinden.

Hier noch ein Interview mit zwei Gefangenen, die von der Revolte berichten.

Anmerkung von Hurriya: Gemäss den Medien wurden 15 Gefangene mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung angeklagt.

Aluche, Spanien: Ausbruchsversuch in spanischem Abschiebelager

gefunden auf welt.de

20.10.18. Bei einem Ausbruchsversuch von Migranten aus einem spanischen Abschiebelager sind zehn Polizisten verletzt worden. Zwei der Verletzten mussten nach dem Zwischenfall am Freitagabend in der Nähe von Madrid ins Krankenhaus eingeliefert werden, wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Die Sicherheitskräfte hätten den Ausbruchsversuch mithilfe von Sondereinsatzkräften abwehren können. Unter den Migranten sei niemand verletzt worden. Insgesamt befanden sich in dem Lager von Aluche nahe von Madrid knapp 300 Zuwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis, die dort bis zu ihrer Abschiebung festgesetzt werden.

Derartige Sammellager stehen häufig in der Kritik von Nichtregierungsorganisationen. Diese beklagen, dass Migranten dort willkürlich festgehalten und schlecht behandelt würden. Immer wieder kommt es in den Einrichtungen zu Streiks, Revolten und Ausbruchsversuchen.

Besetzung des Daches eine ganze Nacht lang

So ist das Flüchtlingslager in Aluche nicht das erste Mal in den Schlagzeilen. Im Jahr 2016 hatten 40 Flüchtlinge fünf Mitarbeiter überwältigt und sich auf dem Dach des Lagers verbarrikadiert. Die Verhandlungen der Polizei mit ihnen dauerten zwölf Stunden.

Auf Spanisch schrien sie vor laufenden TV-Kameras und einem großen Polizeiaufgebot immer wieder „Freiheit“ und „Würde“. Sie klagten über ihre Behandlung in dem Lager. Nach langen Verhandlungen mit der Polizei wurde der Protest friedlich beendet.

Vor dem Protest hatte die Polizei einen Fluchtversuch von 50 Flüchtlingen vereitelt. Mit Stöcken bewaffnet, hätten die vermummten Flüchtlinge fünf Mitarbeiter des Lagers überwältigt, hieß es. Verletzte habe es dabei nicht gegeben. Vor der Unterkunft hatten damals Demonstranten ebenfalls gegen die unwürdige Behandlung der Flüchtlinge protestiert.

Flüchtlinge werden in Spanien so lange interniert, bis über den jeweiligen Asylantrag entschieden wurde. Menschenrechtler beklagen die „gefängnisähnlichen Zustände“ in den Lagern.


Anm.: Im gleichen Knast-Lager kam es auch im August dieses Jahres zu einem kollektiven Ausbruch. Nach einer kleinen Tour der Verwüstung durch das Lager konnten damals 13 Gefangene entkommen.

Ausstellung zu den Bundeslagern ist jetzt online!

gefunden auf barrikade

Analog hat es die Ausstellung seit diesem Sommer schon an verschiedene Orte in der Schweiz geschafft. Nun können die Texte und die Plakate auch online gelesen bzw. angeschaut werden.

https://ausstellung.noblogs.org/

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Neustrukturierung des Asylverfahrens und der Einführung der Bundeslager in der Schweiz. Mit der sogenannten Beschleunigung der Verfahren sollen Menschen effizienter verwaltet und ausgeschafft werden. Dafür nimmt das Staatssekretariat für Migration (SEM) Bundeslager in Betrieb, welche nicht nur die Unterbringung, sondern auch das gesamte Verfahren unter einem Dach zentralisieren und vereinheitlichen. Diese Praxis isoliert die betroffenen Menschen noch stärker vom Rest der Gesellschaft und lässt noch weniger Raum zur Selbstbestimmung. Um die Lagerpolitik umzusetzen, baut der Staat auf die Mitarbeit von Privatfirmen und NGOs.

Die Ausstellung soll verschiedene Zusammenhänge aufdecken, Verantwortliche benennen und dazu anregen, die Bundeslager und das gesamte Migrationsregime zu bekämpfen.

Plaisir, Frankreich: Vierfacher Ausbruch aus dem Internierungslager

übersetzt von sans attendre

Über Le Parisien erfahren wir, dass „in der Nacht von Montag (24.09) auf Dienstag vier Ausländer mit irregulärem Status aus dem administrativen Internierungslager von Plaisir ausgebrochen sind.“

Gegen 21 Uhr sah ein Polizist dank den Überwachungskameras, wie eine Silhouette durch die schlecht verschlossene Hintertüre schlüpfte. Die Ausreisser stiegen dann über den Stacheldraht und machten sich so aus dem Staub.

Metz, Frankreich: Es lebe der Ausbruch!

übersetzt von sans attendre

Während der Mittagspause am Freitag, 07. September konnten drei Sans-Papiers aus dem CRA von Metz ausbrechen. Sie nutzten die Störung am Eingangsportal, um sich aus dem Staub zu machen.

Zwei der Ausbrecher wurden bei einer sofort eingeleiteten Fahndung mit Helikopter der Gendarmerie sowie rund 30 unterschiedlichen Uniformen (Grenzwache, Nationalpolizei) wieder festgenommen. Der Dritte befindet sich weiterhin im Freien.

Libyen: Riots und Hungestreiks in mehreren Internierungslagern

übersetzt von theglobepost.com, via dialectical-delinquents

30.08.18 – Gemäss einem Bericht vom UNHCR brachen aufgrund der schlechter werdenden Bedingungen in den libyschen Internierungslagern für Geflüchtete Riots und Hungerstreiks aus.

Das UNHCR beurteilte die Vorfälle als „ernst“ und meldete, dass Mitarbeitende einem physischen Risiko ausgesetzt wurden.

Zu den Riots und Protesten kam es in verschiedenen Internierungslagern, genaue Angaben zu der Anzahl an beteiligten Menschen konnten aber keine gemacht werden. Das Verhalten sei aber nicht generalisiert.

Die Organisation beobachtete in den vergangenen Wochen eine „kritische Verschlechterung“ der Bedingungen in den Lagern aufgrund der Überbevölkerung und „extrem schrecklichen“ Lebensbedingungen. Flüchtlinge, die an den Riots und Hungerstreiks beteiligt sind, „fordern eine Lösung ihrer desolaten Lebensbedingungen“.

Die Lager werden von der international anerkannten libyschen Regierung in Tripolis betrieben. Darin werden Migrant*innen festgehalten, die an Land oder von der Küstenwache, die von der EU unterstützt wird, aufgefangen wurden.

(…)

Australien: Proteste nach Suizidversuch von Asylbewerber

gefunden auf zeit.de

03.09.18 – Nach dem mutmaßlichen Suizidversuch eines Asylbewerbers in einer australischen Verwahranstalt ist es dort zu Protesten gekommen. In dem Gebäude etwa 90 Kilometer von der Großstadt Perth entfernt legten andere Insassen auch Feuer. Der Brand konnte nach Angaben der Behörden unter Kontrolle gebracht werden. Der 22 Jahre alte Asylbewerber aus dem Irak hatte nach Angaben eines Anwalts versucht, sich in seiner Zelle zu erhängen. Die Proteste ereigneten sich in einem sogenannten Aufenthaltszentrum für Einwanderer. In solchen Einrichtungen sind Ausländer untergebracht, die sich ohne gültige Papiere in Australien aufhalten.