Category Archives: Räumung

Calais, Frankreich: Bullen umstellt und mit Steinen beworfen

übersetzt von valeurs actuelle, via dialectical delinquents

Etwa 50 Migranten haben diesen Freitag, 04. Mai eine Patrouille der CRS umstellt und angegriffen.

Zwei leichte Verletzungen, ein beschädigtes Polizeifahrzeug… Das die Bilanz des Angriffs auf die CRS, der in der zone industrielle in Calais verübt wurde.

Keine Verhaftungen

Mit Steinen und Stöcken bewaffnete Migranten aus Afrika haben eine Patrouille umzingelt und angegriffen. Die angeforderte Verstärkung konnte mit Hilfe von Tränengas die Angreiffer vertreiben aber keine Verhaftung vornehmen.

Der Vorfall ereignete sich 500 Meter vom ehemaligen „Jungle“ entfernt. Die Präfektur meldete, dass sich die Situation schnell wieder beruhigt hat. Früher am Tag wurden zwei Camps auf der Zone von den Einsatzkräften geräumt.

Nice, Frankreich: Ausbruch nach traditioneller Art

übersetzt von sans attendre

Nach einer alten Praxis der Präfektur, erfahren wir von dieser netten Geschichte erst mit grosser Verspätung und weil jemand dafür gefasst wurde. Aber dennoch; am 23. April schrieb ein lokales Blatt (Var Matin), dass am 19. März fünf Sans-Papiers aus dem Internierungslager von Nice ausbrechen konnten.

Sie schlugen die Decke der Toilette ein, stiegen dann vom Dach mit der Hilfe eines Seils wieder herunter und kletterten anschliessend über das Absperrgitter der Anlge.

Einer von ihnen, der sich bereits weigerte in ein Flugzeug in Richtung Algerien einzusteigen, musste vor Gericht: Drei Minuten nach den ersten Vier nutzte dieser ebenfalls diesen Weg in die frische Luft, wurde allerdings gleich hinter dem Gitter von einer Polizeipatrouille gefasst. Am 23. April wurde er zu zwei Monaten Haft verurteilt. Die anderern Vier befinden sich noch immer im Freien.

Pogromnacht in Mytilini

gefunden auf barrikade

In der Nacht vom 22. April hat eine Gruppe aus 200 – 300 Faschist_innen eine Platzbesetzung von Bewohner_innen von Moria auf der griechischen Insel Lesbos angegriffen. Der Pogrom dauerte die ganze Nacht, es gab auf Seiten der Besetzenden dutzende Verletzte und alles endete mit der polizeilichen Räumung des Platzes.

Anfang letzter Woche hat sich eine Gruppe Bewohner_innen von Moria aus dem überfüllten staatlichen Camp in den Olivenhainen von Moria auf den zentralen Platz von Mytilini, dem Sappho Square, begeben. Die Besetzenden haben sich dort eingerichtet und hielten einen Teil des Platzes Tag und Nacht bewohnt. Die Gründe für den Protest sind vielfältig: In diesen Tagen stirbt ein Freund von ihnen. Sie werfen den Organisationen vor, ihn nicht genügend medizinisch versorgt zu haben. Ausserdem wehren sie sich gegen die Campstrukturen, welche auch mithilfe einiger NGOs aufrecht erhalten werden. Die Protestierenden haben insbesondere Eurorelief und MMS beschuldigt, welche beide in den gefängnisähnlichen Strukturen des Camps tätig sind. Es gab Parolen gegen die UNO genauso wie grundsätzliche Forderungen nach Bewegungsfreiheit.

Szenenwechsel: Jeden Sonntag findet in Mytilini eine Militärparade mit Flaggenzeremonie statt. Dabei wird vom Militär und Nationalist_innen die griechische Flagge auf der Stadthalle eingeholt. Diesen Sonntag sind aus ganz Griechenland Faschist_innen angereist. Nach der Zeremonie haben sie sich auf den Weg zum Sappho Square gemacht. Die Polizei ist zu diesem Zeitpunkt bereits präsent und bildet eine Reihe zwischen den Menschen auf dem Platz und den Faschist_innen. Ca. um 21 Uhr kommt es zu ersten Angriffen: Aus den Reihen der Faschist_innen fliegen zwei Fackeln und einige Steine auf die Menschen. Diese sind sehr überzeugt, den Platz nicht zu verlassen und haben bereits während der Parade begonnen, sich auf die Angriffe vorzubereiten. Sie bilden einen Kreis, in der Mitte sind die Frauen, Kinder und Alten. Rundherum stehen alle anderen, auch einige dutzend griechische und internationale Unterstützer_innen. Die Leute beginnen damit, ein Zelt aus Decken zu bilden, um sich vor den Wurfobjekten zu schützen.

Bis kurz vor 23 Uhr kehrt etwas Ruhe ein. Die Gruppe Faschist_innen scheint sich zu beruhigen und weniger zu werden, es gibt Verhandlungen der Polizei mit beiden Seiten. Die Leute auf dem Platz wollen bleiben, die Faschist_innen machen klar, dass sie sie vertreiben wollen. Es gibt Meldungen aus dem ca. 1 Stunde Fussmarsch entfernten Lager Moria, dass sich viele Menschen aufmachen, um Unterstützung zu leisten. Die Gruppe wird von der Polizei aufgehalten und ins Camp zurück getrieben. Kurz darauf kommt es zu neuen Angriffswellen: Wieder fliegen Gegenstände in Richtung der Menschen auf dem Platz. Diesmal auch Böller, Mülltonnen werden angezündet um die Polizeireihen zu durchbrechen. Die Angriffe verlagern sich auf die Promenade. Zeitweise kommt es zu kleinen Schlägereien, als es Faschist_innen gelingt, neben der Polizeireihe durchzubrechen.

In der ganzen Nacht gibt es viele Verletze, hauptsächlich durch Steine, Flaschen und Böller. Viele Bewusstlose werden weggetragen, nachdem sie am Kopf von Steinen getroffen werden. Es gibt offene Wunden sowie Augen- und Ohrenverletzungen. In nahegelegenen Räumlichkeiten errichten solidarische Menschen eine Krankenstation, in welcher Verletzungen notdürftig behandelt werden. Aufgrund der Ausschreitungen dauert es lange, bis die ersten Krankenwagen eintreffen. Dank der starken Solidaritätsstrukturen auf der Insel sind glücklicherweise schnell einige Ärzt_innen vor Ort.
Kleine Gruppen Faschist_innen schaffen es zeitweise sehr Nahe an die temporäre Krankenstation, so dass die Verletzten notfallmässig von dort evakuiert und auf andere Orte verteilt werden müssen.

Mittlerweile ist der faschistische Mob auf mehrere hundert Menschen angewachsen. Zwischen der Promenade und dem Platz stehen zwei Polizeibusse, die die Sicht versperren. Dahinter werfen die Faschist_innen immer wieder Gegenstände auf die Menschen, die noch immer auf dem Platz ausharren. Obwohl es viele Verletzte gibt und immer wieder einzelne Menschen zurückschlagen wollen, achten die Leute auf dem Platz peinlich genau darauf, dass nichts zurückgeworfen und die Faschist_innen nicht provoziert werden. Angesichts der grossen Gefahr und der ausweglosen Situation bleiben die Menschen auf dem Platz erstaunlich ruhig. Stoisch nehmen sie die Angriffe hin und versuchen, die Nacht auszusitzen. Bloss nicht zurück nach Moria! Aber wohin sonst?
Im Zentrum des Kreises ist die Situation besonders absurd. Unter dem Deckenzelt harren die verbleibenden Frauen, Kinder und Alten aus. Sie sehen nicht, was um sie herum geschieht. Kinder schreien, während die Faschist_innen versuchen, genau in die Mitte des Kreises zu treffen. Immer wieder fallen zwischen den Decken, die einen guten Schutz gegen die Steine bieten, Böller nach unten und explodieren zwischen den Menschen. Wiederholt ziehen Tränengasschwaden vorbei und bleiben unter den Decken hängen.

Einzelne Gruppen Faschist_innen versuchen von allen Seiten näher an die protestierenden Menschen zu gelangen. Von der Seite werden Steine auf Kopfhöhe geworfen. Es gibt immer wieder Angriffe, bei denen mehrere dutzend Fluggeschosse gleichzeitig über den Bus auf die Menschen fliegen. Darunter massive Steine, Molotowcocktails und grosse Böller. Die Faschist_innen nehmen Tote in Kauf.

Die Polizei hält über den grössten Teil der Nacht eine räumliche Trennung der zwei Gruppen aufrecht. Doch häufig steht nur eine Reihe Polizist dazwischen. Die Menschen auf dem Platz befinden sich weiterhin in Wurfdistanz. Zeitweise setzt die Polizei Tränengas, Pfefferspray und Schlagstöcke ein, um die Faschist_innen zurückzutreiben. Das gibt zwar kurzzeitig etwas Raum, jedoch wird kein Versuch unternommen, die Faschist_innen auf Distanz zu halten. Lange sind viel zu wenige Polizisten anwesend. Viele sind wohl noch damit beschäftigt, die zur Unterstützung losgelaufenen Menschen aus Moria aufzuhalten. Erst zum Schluss, bei der Räumung des Platzes, treffen neue Busse mit Polizisten ein.

In dieser Nacht zeigt sich das rassistische Gesicht der griechischen Polizei.

Um 4 Uhr treibt die Polizei die Faschist_innen noch einmal weit weg und hält sie auf Distanz. Gleichzeitig beginnt sie damit, die Menschen auf dem Platz zusammenzudrängen. Unterstützer_innen werden angegriffen und mit Pfefferspray vertrieben. Die verbleibenden ca. 130 Menschen werden von den Polizisten eng eingekesselt. Als klar wird, dass sie nicht freiwillig in die bereitgestellten Busse einsteigen werden, benutzt die Polizei Pfefferspray und physische Gewalt. Dabei kommt es zu letzten wüsten Szenen. Die Polizisten schlagen die Menschen, treten sie, schleifen und zerren sie an den Haaren über den Platz.

Nach den über 8 Stunden andauernden Angriffen durch die Faschist_innen, werden die Menschen festgenommen und mit dem Bus ins Gefängnis gefahren. Es ist noch unklar, ob und welche Anklagen erhoben werden. Daneben werden auch vier griechische Aktivist_innen von der Polizei abgeführt. Von den grösstenteils unvermummt agierenden Faschist_innen sind alle auf freiem Fuss.

Am nächsten Tag hören wir im Deutschlandfunk, dass es in Mytilini «Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und aufgebrachten Bürgern» gegeben habe.

Einige Antifaschist_innen, die in der Nacht auf dem Platz waren.

Nantes, Frankreich: Unverzügliche Antwort auf die Räumung von Migranten

übersetzt von attaque

Die Fassade war diesen Morgen zu grossen Teilen verschmiert. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (08.03.18) wurde das Präsidium der Universität mit oranger Farbe beschädigt. Der Haupteingang des Gebäudes im Stadtzentrum wurde vollständig mit Farbe eingedeckt. Das Wort „Vertreiber“ wurde ebenfalls auf die Mauer geschrieben. Ein Lastwagen von Nantes métropole ist seit dem Morgen vor Ort, um das Gebäude zu reinigen.

Zu diesem Vorfall ist es am Tag nach der Räumung von etwa 100 Migranten gekommen, die Räumlichkeiten der Universität seit vier Monaten besetzten. Auch wenn die Räumung relativ ruhig vonstatten ging, löste sie dennoch zahlreiche empörte Reaktionen aus. Die Liga für Menschenrechte, die diese Räumung als untragbar erachtet, bemängelt den Zustand, dass „der Staat seiner Verpflichtung, allen Obdachlosen eine Unterkunft bereitzustellen“, nicht nachkommt. Am Mittwoch Abend versammelten sich etwa 150 Personen zu einer Demonstration vor dem Ratshaus, um Lösungen für die Umquartierung zu verlangen.

(…)

Montreuil, Frankreich: Bericht von der Demo „Besetzen wir die Häuser, zerstören wir die Knäste“

übersetzt von attaque

Die Häuser denen, die sie besetzen

Die Häuser denen, die sie besetzen

Am Freitag, dem 16. Februar versammelten wir uns gegen 19 Uhr beim Croix de Chavaux in Montreuil¹ für eine Demo gegen die Mieten, die Vertreibungen und das Gefängnis.

Einige Bullen der CRS und in zivil postieren sich am Ende der Strasse. Wir besammeln uns dennoch, ein bisschen Musik, einige Transparente und allmählich zählen wir ungefähr 250 Personen. Einige Redebeiträge folgen aufeinander (wieso diese Demo, das Kollektiv Baras², über die Geschichte von Alfidel³, über die Besetzung an der Universität Paris-8⁴, das Kollektiv Gambetta, ..)

Ein wenig nach 19 Uhr 30 ziehen wir in Richtung rue de Paris und Marktplatz los: Slogans, Gesang, Flugblätter (Aufruf zur Demo, „La prison pour personne“, Stellungnahme der Gefangenen in Fleury-Mérogis, Aufruf zu einem Abend der Unterstützung beim Kollektiv Baras), Plakate, Tags, Farbeier.

Die Demo wird auf den Strassen eher positiv aufgenommen. Wir machen einen kleinen Halt neben der halle Dufriche, in der sich mehrmals Romas niedergelassen hatten und von der Stadtverwaltung vertrieben wurden, und danach beim Haus Bara, in dem immer mehr Wohnungen zugemauert werden und so nach und nach geschlossen wird. Erneuter Halt dann beim Architekturbüro Archi5, das beim Bau von Gefängnissen beteiligt ist (insbesondere Condé-sur-Sarthe und Vendin-le-Veil)… Parolen gegen die Knäste werden angestimmt und mit Tags und Farbeierwürfen, hauptsächlich auf Immobilienbüros und Banken, ziehen wir weiter. Im Quartier, in dem eine dreckige Geschichte der Stadtverwaltung als Vorwand dient, die Videoüberwahung auszubauen, werden Plakate aufgeklebt, die zur Sabotage an den Kameras aufrufen.

Hinter der Demo sehen wir, wie vier Teenager von den Bullen kontrolliert werden. Die Demo dreht um und bringt die Bullen aus dem Konzept. Diese beenden die Kontrolle und verschwinden schnell. Ein erstes Feuerwerk wird gezündet und wir gehen weiter auf der rue de Paris… Ein zweites Feuerwerk belebt den Kreisel beim Croix de Chavaux. Wir nehmen den Boulevard Rouget-de-Lisle, die Strasse der Banken und Immobilienbüros. Die Spraydosen sind noch immer voll, um zu sagen, was wir von all diesen Agent*innen der Gentrifizierung und des Kapitalismus halten!

Das Architekturbüro Archi5

Das Architekturbüro Archi5

Einige Lieder weiter kommen wir bei der Stadtverwaltung von Montreuil an, zufrieden, dass wir die Strassen für zwei Stunden genommen haben, ohne über die Bekleidung oder Route der Demo mit den Bullen zu verhandeln und ohne unsere Absichten und Ideen zu verstecken.

Hoffentlich bis zum nächsten Mal!

Ein paar Beteilitgte


Anm. von AdHdF

¹ Die Stadt Montreuil grenzt gen Osten unmittelbar an Paris.

² Im Kollektiv Baras organisieren sich rund 150 Migrant*innen aus Ost- und Zentralafrika, die nach dem Ausbruch des Krieges 2011 in Libyen nach Frankreich gezogen sind. Als Menschen ohne Status und all deren Konsequenzen, kämpfen sie für ihre sofortige Regularisierung. Nachdem ihre Anfragen nach einem Dach über dem Kopf mehrmals abgewiesen wurden, begannen die Sans-Papiers Häuser zu besetzen.

³ Alfidel versuchte am 24. Oktober 2017 zusammen mit einer kleinen Gruppe tschadischer Migrant*innen ein Haus zu besetzen, wurde allerdings verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt. Am 25. Oktober 2017 wurde er von der Justiz, die die versuchte Besetzung als versuchten Einbruchsdiebstahl umdeutete, zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Urteil in der Berufungsverhandlung steht noch aus. Am 22. Januar 2018 wurde Alfidel, nachdem er einen Ausbruch versuchte, in die Arrestzelle gesteckt. Der Prozess wegen versuchtem Ausbruch wird am 07. März stattfinden. So oder so droht ihm eine Abschiebung.

Seit dem 30. Januar 2018 besetzen Menschen im Exil und Unterstützer*innen ein Gebäude in der Universität Paris-8 in Seint Denis, um gegen die europäische Migrationspolitik zu protestieren.

Grand-Synthe, Frankreich: Camp mit hunderten Migranten geräumt

übersetzt von thelocal.fr

Französische Behörden haben am Dienstag (19.09.17) an der Nordküste in der Nähe von Calais ein Camp mit hunderten Migranten geräumt. Es hätte ein Magnet für andere werden können, die hoffen, nach Grossbritannien gelangen zu können.

Etwa 350 Männer, Frauen und Kinder, die meisten irakische Kurden, lebten über Wochen unter armseligen Bedingungen in den Wäldern am Rande von Grand-Synthe.

Hunderte Polizeikräfte wurden mobilisiert, um das Camp zu räumen. Die Bewohner wurden in Bussen in zehn verschiedene Lager in ganz Frankreich gebracht. (…)

Grand-Synthe liegt 30 km von der Hafenstadt Calais entfernt, wo die Behörden 2016 den „Jungle“ räumten, in dem bis zu 10‘000 Menschen lebten.

Ein Flüchtlingslager mit internationalen Standards für 1500 Personen wurde Anfang 2016 in Grand-Synthe eröffnet. Nach einem Streit zwischen Afghanen und Kurden wurde das Lager allerdings in einem riesigen Feuer zerstört. (…)

Ein anderes Camp in Norrent-Fontes wurde am Montag (18.09.17) geräumt. Die 85 Bewohner wurden in Lager in der Region gebracht.

 

Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und Polizisten in Rom

gefunden auf zeit.de, 24.08.17

Nach der Räumung eines illegal besetzten Hauses weigerten sich Bewohner den Piazza Indipendenza zu verlassen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Wasserwerfer ein.

In Rom ist es zu Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und der Polizei gekommen. Wie der Guardian und die Nachrichtenagentur Reuters berichten, gingen Polizisten gewaltsam gegen ehemalige Bewohner eines illegal besetzten Hauses vor. Demnach setzten die Beamten Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Zwei Menschen wurden festgenommen.

Zu den Ausschreitungen kam es auf dem Piazza Indipendenza unweit des Hauptbahnhofs. Dort war vor einigen Tagen ein illegal besetztes Haus geräumt worden, in dem seit fünf Jahren etwa 800 Flüchtlinge lebten. Den Berichten zufolge hielten sich 100 von ihnen auch nach der Räumung weiterhin auf dem Platz auf.

Fernsehbilder zeigten Flüchtlinge, die sich eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferten. „Als ich gegen neun Uhr auf dem Platz ankam, lag überall verstreut Müll herum“, berichtete ein Reporter des Fernsehsenders TerminiTV. Auch der Verkehr sei zwischenzeitlich gestoppt worden.

Dem Guardian zufolge waren auf dem Platz Matratzen, Mülleimer und zerbrochene Plastikstühle zu sehen. Auf dem Gehsteig habe ein Feuer gebrannt. Am Gebäude, in dem die Flüchtlinge zuvor lebten, hing ein Transparent, auf dem auf Italienisch stand: „Wir sind Flüchtlinge und nicht Terroristen.“

Räumung wegen Sicherheitsbedenken

Die italienische Polizei teilte mit, dass die Flüchtlinge sich geweigert hätten, von der Stadt angebotene Unterkünfte zu nutzen. Die Räumung sei außerdem wegen Sicherheitsbedenken durchgeführt worden, weil Gaskocher und andere leicht entzündbare Gegenstände auf Straßen ein Risiko für die Anwohner darstellten. Bei der Räumung des Platzes hätten die Flüchtlinge Gaskanister geöffnet und die Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen beworfen. Auch Pfefferspray sei gegen die Polizei verwendet worden.

Berichten zufolge handelt es sich bei einem großen Teil der Hausbesetzer um Eritreer und Äthiopier, denen Asyl gewährt wurde und die teilweise schon mehr als zehn Jahre in Italien lebten. Sie verwalteten das Gebäude als sich selbst versorgende Kommune. Menschen, die das Haus nicht bewohnten, sei der Zutritt untersagt worden.

Die Flüchtlinge hatten sich zuvor beschwert, dass die ihnen angebotenen Unterkünfte keine dauerhaften Bleiben darstellen würden. Außerdem würden solche Umzüge dazu führen, dass die Gemeinschaft der Bewohner auseinandergerissen würde.

„Die Behörden müssen dringend angemessene Wohnalternativen suchen und herausfinden, ob es bei der Räumung zur Anwendung von Gewalt kam“, sagte Judith Sunderland von der Hilfsorganisation Human Rights Watch. Es sei schwer verständlich, dass der Einsatz von Wasserwerfern nötig gewesen sei.

Lesbos, Griechenland: Besetzung geräumt

übersetzt von No Border Kitchen Lesvos

28. April.Gestern wurde einer der Squats, den wir unterstützt haben, von den Bullen und der Alpha Bank geräumt und ein Zuhause wieder in ein altes, verlassenes und ungebrauchtes Haus verwandelt. Alle Personen wurden verhaftet, für einen Tag eingesperrt und werden wohl wegen unerlaubtem Betreten eines Grundstückes sowie Zerstörung von Eigentum angeklagt. Momentan sind viele Menschen auf der Strasse ohne einen sicheren Platz, wo sie hingehen können.

Was gestern geschah, macht uns traurig und unglaublich wütend. Was vom Staat und Kapitalismus zerstört wurde, war nicht nur ein Gebäude. Es war ein Zuhause. Eine Community. Es war ein Platz für Freundschaft, Solidarität, für einen gemeinsamen Kampf gegen Grenzen und das System, das diese hervorbringt.

Die Besetzung war kein perfekter Ort. Ständig lag Abfall herum, die Geräusche der Fabrik nebenan waren das Schlaflied und die Toilette wurde selten gereinigt. Dennoch haben wir diesen Ort geliebt.

Wir wurden gestern um 07 Uhr morgens geweckt, als die Polizei immer wieder an unsere Türe kickte. Als wir aus unseren Zimmern kamen, standen bereits mehrere Bullen, normale Stadtpolizisten und OPKE-Einheiten (A.d.Ü.: Riot-cops), im Vorgarten. Die letzten drei Tage haben wir bereits Arbeiter beobachtet, wie sie dieses Haus in ein Gefängnis verwandelt haben, die Räumung kam also nicht wirklich überraschend. Die Arbeiter legten jeden Tag weiteres Stacheldraht um die Wände des Squats, während wir versuchten, uns zu entscheiden, ob es einen Weg gibt, sich dem zu widersetzen.

Zur Zeit der Räumung waren wir etwa 35 Menschen im Haus, die sich alle im Vorgarten sammelten. Die Segregation und der Rassismus begannen unmittelbar. Alle, die wie „Flüchtlinge“ aussahen, mussten in einen Ecken des Hofs, um all ihre Papiere kontrollieren zu lassen. Dann wurden alle, die als „Europäer_innen“ oder Menschen mit Pass betrachtet wurden, ebenfalls kontrolliert. Einige Flüchtlinge wurden ohne ersichtlichen Grund gefesselt. Wir versuchten uns gegen die Trennung zu wehren, doch alle, die darauf bestanden, stehen zu bleiben, wurden geschubst und weggerissen. Alle mit einem westlichen Pass wurden in einen Arrestwagen gepackt und dann auf den Polizeiposten gebracht. Wir mussten uns alle im Gang setzen und wurden widersprüchlich informiert, ob wir verhaftet wurden oder nur für eine Kontrolle mitgenommen worden sind. Die Flüchtlinge wurden alle in Zellen gesperrt.

Nach ein paar Stunden wurden wir informiert, dass wir alle wegen Vandalismus und unerlaubtem Betreten eines Grundstückes beschuldigt sind. Fingerabdrücke und Photos wurden von allen genommen, dann wurden wir wieder frei gelassen. Bis jetzt ist jedoch unklar, ob wir vor Gericht müssen oder nicht. Die Erleichterung der Freilassung hielt aber nur kurz an. Dutzende Menschen stehen nun ohne Obdach da. Was ein Zuhause war, ist nun ein leeres, von Nato-Draht umzäuntes und von Securitys bewachtes Gebäude.

Die Räumung kam nicht überraschend. In den letzten vier Monaten wurde die Repression gegen Flüchtlinge, inbesondere gegen Menschen ohne gültige Papiere und von gewissen Nationen, aber auch gegen die Solidaritätsbewegung jede Woche schlimmer. Die Zerstörung von jeglichen autonomen Orten, wo Menschen leben können, wurde erwartet. Viele Freunde, die ausserhalb der Lager lebten, wurden in den letzten Monaten verhaftet. Verschiedene Schritte wurden eingeleitet, um die Strassen und die Stadt von Flüchtlingen zu säubern und um so viele Menschen wie möglich in den Engen des Moriacamps zu halten. Sicherheitsmassnahmen in Moria wurden verschärft, die Polizeipräsenz in den Strassen nahm zu, viele Menschen wurden und werden während ihrem Asylverfahren verhaftet, Abschiebungen finden regelmässig statt und so weiter.

Dieses Mal war es die Alpha Bank, die Eigentümerin des Gebäudes, die die Macht hatte, uns den grössten Schaden zuzufügen. Es war die Alpha Bank, die uns angezeigt hat und die Räumung vorangetrieben hat. Wir sind sicher, dass das Gebäude nicht gebraucht wird. Es ist sehr alt und in der hässlichsten Region Mytilinis, direkt neben einer Elektrizitätsfabrik, voll mit Chemikalien und Dampf, Luft- und Lärmbelastung. Niemand will dieses Haus, ausser denen, die keine andere Option haben ausser dem Moria-Gefängnis.

All das trifft mit der Ankündigung zusammen, dass alle NGOs und internationalen Gruppen Lesbos bis am 31. Juli verlassen werden. Da wir eine von einer handvoll Gruppen ohne Regierungsauftrag sind, die ausserhalb der Lager aktiv sind, hätte es die EU und die griechische Regierung sehr gerne, wenn No Border von Lesbos verschwindet.

Leider ist diese Räumung nicht das Ende einer Serie der Repression, sondern mehr der Beginn. Wir erwarten Räumungen von anderen Squats in den nächsten Wochen und Monaten. Desweiteren erwarten wir ebenfalls, dass die Verhaftungen, Einsperrungen und Abschiebungen weitergehen.

Wir sind aber nicht bereit, aufzugeben. Wir werden hier bleiben, wir werden die Menschen weiterhin in ihrem Kampf für Bewegungsfreiheit und Würde unterstützen.

Wir senden viel Liebe und Wut an alle, die mit uns stehen und die gegen alle Grenzen hier in Lesbos und überall kämpfen.

Eure Nbk Crew

Athen: Glasbruch an einer Bank in Vyrona

gefunden auf linksunten

Heute am Dienstag, kurz nach Mitternacht, wurde die langweilige Stille der Stadt durch den wundervollen Klang der zertrümmerten Fenster der Eurobank und der Piräusbank in der Chrisostomos Smyrna Straße in Vyrona durchbrochen.

Es war eine geringe Antwort auf den elenden und erbärmlichen Angriff des Syrizastaates – lokal und zentral – in Bezug auf die Rämung des Selbstverwalteten Sozialen Raums Villa Zougrafou und der zwei selbstorganisierten besetzten Treffpunkte von Migranten/Flüchtlingen in der Acharnonstraße.

Damit es sich gut in den Köpfen eines jeden Gehilfen des Staates und des Kapitals einprägt: kein Angriff gegen Menschen, die sich im Kampf befinden, Einheimische und Migranten, gegen unsere Häuser wird unbeantwortet bleiben!

Solidarität mit den Besetzungen und Selbstorganisierten Räumen!
Andauernder Kampf gegen den Staat und das Kapital!
Für die soziale Befreiung und die Anarchie!

Anarchistinnen/Anarchisten

Berlin: Solidarität mit den Squats in Athen – Bullenkarre in der Rigaer Strasse angegriffen

übersetzt von linksunten

Am Abend des 15. März, dem internationalen Tag gegen Polizeigewalt, haben wir ein herumstreunendes Auto von Riotcops in der ‚Gefahrenzone‘ (das Gebiet in Friedrichshain wird von den Behörden so bezeichnet) der Rigaer Strasse mit vielen Steinen angegriffen.

Dies um den geräumten Squats in Athen, Villa Zografou und Alkiviadou Squat, ein kleines Zeichen der Solidarität zu senden.

Nach dem Angriff verliessen wir das Gebiet und hörten von den Drecksmedien, dass ein Polizeihelikopter uns suchte und dass dieser mit Laserpointern angegriffen wurde, was zur Verhaftung von drei Menschen führte. (A.d.Ü.: Laut Medienberichten wurde ein 34-jähriger, der das Blenden gestand, dem Landeskriminalamt übergeben. Die anderen zwei Personen wurden wieder entlassen.)

Die Polizei begann den Krieg in unseren Gebieten schon vor langer Zeit, wir müssen uns dieser Aggression stellen. Die Exekution von Hussam Fadel Hossein, einem irakischen Flüchtling im Flüchtlingsheim an der Kruppstrasse in Berlin am 27. September 2016 durch Polizeibeamte ist eine von vielen Verbindungen zu dem geräumten Alkividaou Squat, bei dem mehrere Flüchtlinge verhaftet wurden.

Und die Räumung der Villa Zografou ist die Verbindung zu dem Kampf der Hausprojekte in Friedrichshain gegen die täglichen Aggressionen der Polizei.

Anarchie und Angriff