Category Archives: Flucht

Italien und Frankreich: Hungerstreiks, Ausbrüche und Revolten in den Internierungslagern

übersetzt von cracher dans la soupe

Am Abend des 07. Juli ist im CPR Brunelleschi in Turin eine Person gestorben. Ihr Tod wurde erst am nächsten Morgen bemerkt. Nach einer Vergewaltigung im Internierungslager und den Verletzungen, die sie dabei erlitt, verlangte sie nach medizinischer Behandlung. Als Antwort wurde sie in Isolation gesteckt. Mit angeschlagener Gesundheit (physisch und mental) war sie mehr als zehn Tage in dieser 40° heissen Zelle mit gerade einmal einem Liter Wasser pro Tag eingesperrt.
Andere Gefangene des Lagers haben in den Tagen nach dem Vorfall die Aggressoren konfrontiert. Einer dieser Aggressoren wurde später abgeschoben, der andere verhaftet.

Nachdem die Nachricht ihres Todes die Runde machte, begingen die Inhaftierten mit einer Reihe an Protestaktionen: Essensverweigerung und Chaos über den ganzen Tag (mehrere Matratzen wurden angezündet). Anlässlich einer Solidaritätskundgebung vor dem Lager, konnte man Rauchsäulen über dem Lager aufsteigen sehen und Rufe der Gefangenen hören. Die Bullen sind mit Schlagstöcken, Tränengas und Wasserwerfern eingeschritten, um die Revolte im Inneren niederzuschlagen. Die Proteste dauerten mehrere Tage an.

Gemäss den letzten Informationen befinden sich alle Gefangenen in einem Hungerstreik.


Erst vor einem Monat wurde die Männerabteilung im CPR Ponte Galeria in Rom wiedereröffnet. Nun wurde sie auf die schönste aller Arten eingeweiht: Zwischen dem 5. und 6. Juli brach eine Revolte aus. Mehrere dutzend Gefangene griffen das Mobiliar an, zündeten Matratzen an und versuchten auszubrechen. 12 Personen ist der Ausbruch schliesslich gelungen. Andere wurden vor Ort wieder verhaftet und eingeseperrt.


Im CPR von Caltannissetta auf Silzilien haben 72 Personen einen Hungerstreik für mehrere Tage durchgeführt, um gegen die Abschiebung von 18 Personen nach Tunesien und gegen die Internierung zu protestieren. In den letzten Monaten versuchten die Gefangenen immer wieder, sich den Abschiebungen zu widersetzen. Am 03. Februar, 23. Januar und 28. Dezember kam es zu Revolten und Ausbruchsversuchen. Nach der Revolte vom 09. Dezember 2017, bei der drei Abteilungen vom Feuer verwüstet wurden, war das Lager wegen Sanierungsarbeiten bis im Dezember 2018 geschlossen. Fünf Personen wurden nach der Brandstiftung wegen “Verwüstung und Plünderungen” verhaftet. Einer davon wurde zu 10 Jahren verurteilt.


Am 08. Juli zündeten Gefangene im Gebäude 1 des CRA von Vincennes, Frankreich, eine Zelle an, um gegen ihre Inhaftierung und die Bedingungen im CRA zu protestieren.

Auszüge übersetzt von a bas les cra

“Wir haben ein Feuer gelegt. Danach waren wir bis am Abend im Innenhof. Sie behandeln uns hier wie Hunde, sie respektieren uns nicht, reden schlecht über uns. Wir haben keine Rechte gegenüber der Polizei. Die Polizei beschimpft uns. Vor ein paar Tagen hat mich ein Polizist gefilmt und ich habe ihm gesagt, er solle damit aufhören, dass er kein Recht dazu hat, dass wir keine Affen sind. Er filmt, um die Aufnahmen auf seinem Facebook-Profil zu veröffentlichen, um dann darüber zu lachen. Der Polizist meinte, dass wir sicher Affen seien.

Für sie sind wir wie Tiere, wir können nichts machen. Sie schlagen uns und wir müssen unsere Klappe halten. Wenn wir uns wehren, kommen wir ins Gefängnis und werden schneller abgeschoben. Aspham (Betreiberin des CRA von Vincennes), die Richter und die Bullen arbeiten alle zusammen.

(…)

Es ist eine Qual hier, nur Probleme, niemand lacht. Wir wissen nicht, wann wir rauskommen oder abgeschoben werden. Das CRA ist wie eine Gefängnisstrafe.”


Seit dem 02. Juli befinden sich die Inhaftierten des CRA Saint-Exupéry in Lyon in einem Hungerstreik, um ihre Inhaftierung anzuprangern.

Zürich: Gefängnis-Ausbrecher im Kreis 1 verhaftet

gefunden auf 20min

Am Mittwochabend (19.06.19) verhaftete die Stadtpolizei Zürich im Kreis 1 einen Mann, der Anfang Juni mit zwei Komplizen aus dem Flughafengefängnis geflohen war.

Kurz nach 22.00 Uhr erblickte am Mittwochabend eine Streifenwagenpatrouille der Stadtpolizei Zürich beim Bellevue einen Mann, der ihnen von Fahndungsbildern her bekannt vorkam. Als die Polizisten auf ihn zugingen, marschierte er schnellen Schrittes davon, konnte aber nach wenigen Metern eingeholt und kontrolliert werden.

Bei den Abklärungen stellte sich heraus, dass es sich um einen der drei Männer handelt, die am 8. Juni aus dem Flughafengefängnis geflohen waren. Er wurde verhaftet und dem Migrationsamt zugeführt.

Die drei Häftlinge überwanden am Samstag, 8. Juni 2019, eine Mauer und flüchteten über den Spazierhof aus dem Flughafengefängnis. Bei den Flüchtigen handelt es sich um einen 47-Jährigen aus Sri Lanka sowie zwei Somalier im Alter von 27 und 21 Jahre. Sie sassen dort im Gefängnis wegen Verstosses gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz.

Zürich: Drei Häftlinge türmen aus Flughafengefängnis

gefunden auf tagesaneziger

Zürcher Polizei fahndet weiter nach drei Ausbrechern

Drei Ausschaffungshäftlinge sind am Samstag (08.06.19) aus dem Flughafengefängnis Kloten entkommen. Es war offenbar eine geplante Aktion.

Drei Häftlingen ist am Samstagmorgen der Ausbruch aus dem Zürcher Flughafengefängnis gelungen. Sie überwanden die Mauer und flüchteten über den Spazierhof. Bisher konnten sie nicht wieder gefasst werden, wie ein Sprecher der Kantonspolizei am Sonntagmittag auf Anfrage erklärte.

Die drei Häftlinge hatten ihre Flucht vorgängig geplant. Das sagte Rebecca de Silva, Sprecherin des für das Gefängnis zuständigen Amt für Justizvollzugs auf Anfrage. Zum genauen Ablauf der Flucht wollte sie sich am Sonntag nicht äussern. Im Flughafengefängnis seien die Sicherheitsstandards aber nicht so hoch wie in anderen Gefängnissen.

Die drei Männer warteten in Kloten auf ihre Ausschaffung. Sie waren wegen Verstosses gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz inhaftiert. Zwei der Ausbrecher stammen aus dem gleichen Land. Zu den Nationalitäten wollte de Silva keine Angaben machen. Man habe sich entschieden, auf die Nennung zu verzichten, weil sie nicht relevant sei.

Der Vorfall wird nun intern untersucht. Es wird überprüft, mit welchen Massnahmen die Sicherheit im Gefängnis verbessert werden kann. Auch hierzu wollte sich de Silva nicht eingehend äussern.

Hendaye, Frankreich: Dreifacher Ausbruch aus dem CRA

übersetzt von sans attendre

Der Ausbruch geschah in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai. Zwei wurden am gleichen Tag in einem Bus wieder verhaftet. Der Dritte befindet sich weiterhin auf der Flucht.

Ein paar Auszüge aus einem Artikel von Le Parisien, treuer Vermittler von Bullennachrichten:

“Die ersten Anzeichen für einen ungewöhnlichen Morgen wurden von den Überwachungskameras um vier Uhr morgens aufgezeichnet. Als erstes gelang es den Flüchtenden, den Metallgriff einer Türe abzunehmen. Danach haben sie sich in ein anderes Zimmer begeben, das wiederrum auf einen Hof führt, der für die zuständigen Beamten nicht direkt zugängig ist.

Ausgerüstet mit dem Metallgriff konnten die drei Ausreisser die erste Hürde überwinden; sie schlugen das Fenster des Zimmer ein und verschafften sich somit Zugang zum Hof. Bereits im Vorfeld präparierten sie einen Strick aus zusammengeknoteten Laken. An das 12 m lange Stück befestigten sie eine Wasserflasche, die sie über die sieben m hohe Mauer des CRAs warfen. Sobald sie die Mauer erklommen, konnten sie auf ein Dach und dann auf eine benachbarte Schule gelangen, um von dort schliesslich ganz abzuhauen.”

Mehr als 50 Migranten stürmen in spanische Nordafrika-Exklave

gefunden auf weser-kurier.de

12.05.19 – Beim größten Massenansturm der vergangenen sechs Monate auf Melilla sind Dutzende Flüchtlinge in die spanische Nordafrika-Exklave gelangt. Rund 100 Afrikaner aus Ländern südlich des Sahara versuchten von Marokko aus, die rund sechs Meter hohen, doppelten Grenzzäune zu überwinden. Mindestens 52 von ihnen gelang es, EU-Gebiet zu erreichen. Der bisher letzte große Ansturm war im Oktober 2018 registriert worden. Damals konnten rund 200 Migranten in die Exklave stürmen. Spanien hat in Nordafrika zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden.

Bari, Italien: Feuer und Ausbruchsversuch im CPR Bari-Palese

übersetzt von hurriya

In der Nacht vom 27.04.19 kam es im CPR Bari-Palese zu einem starken Protest. In drei Abteilungen des staatlichen Lagers wurden Matratzen und Möbel angezündet, einige Inhaftierte kletterten auf das Dach. Gemäss den Medien, versuchten drei Personen auszubrechen, stürtzen aber und mussten verletzt ins Spital gebracht werden: zwei davon wurden bereits wieder ins Lager gesteckt, der dritte befindet sich noch im Spital.

Basel: Ausbruch aus dem Bässlergut (und wieder gefasst… Aktualisierung vom 24.04.19)

gefunden in bz basel

Ein 19-jähriger Tunesier ist am Dienstag nach mehrstündiger Flucht aus einem Basler Gefängnis wieder gefasst worden. Deutsche Polizisten entdeckten den Mann am Abend kurz nach 20 Uhr in der Nähe des Bahnhofs Weil am Rhein. Sie nahmen ihn daraufhin fest.


Am Dienstagnachmittag (23.04.19) ist der 19-jährige Tunesier Ahmed Saidi aus dem Gefängnis Bässlergut entwichen. Toprak Yerguz, Sprecher der Basler Polizei, sagt auf Anfrage: «Nach bisherigen Erkenntnissen hat er die Baustellen-Situation ausgenutzt, um auszubrechen. Wie genau, das wird derzeit abgeklärt.» Als Sofortmassnahme sei die Baustelle überprüft und angepasst worden.

Gegen den Entwichenen laufen Untersuchungen der Basler Jugendstaatsanwaltschaft wegen qualifizierter Brandstiftung, Diebstahl, Raub und Erpressung, die er als Minderjähriger begangen hatte. Im Bässlergut sitzt er im vorzeitigen Strafvollzug.

Eine sofort eingeleitete Fahndung sei bisher erfolglos geblieben, teilt das Justiz- und Sicherheitsdepartement mit. Die Basler Kantonspolizei hat für die Fahndung ihre Partner im In- und Ausland beigezogen.

Personen, welche Angaben zum Gesuchten oder bla bla bla…

Lyon, Frankreich: Ausbruch und Revolte im CRA Saint-Exupéry

übersetzt von attaque

Verganenen Samstag (13.04.19) versuchten sechs Personen aus dem CRA Saint-Exupéry auszubrechen. Drei Personen gelang die Flucht, die drei anderen wurden festgenommen, von den Bullen verprügelt und über den Spital in Polizeigewahrsam genommen, befor sie wieder im CRA eingesperrt wurden. Am Montag (15.04.19) versuchte eine Person sich umzubringen.

„Also vor zwei Tagen versuchten ein paar auszubrechen. Drei kamen davon, die drei anderen, die erwischt wurden, waren schwer verletzt. Sie waren 48 Stunden in Polizeigewahrsam. Heute kamen sie wieder zurück. Soeben kletterte jemand das Tor hinauf, wo sich der Stacheldraht befindet. Er versuchte sich mit dem Stacheldraht umzubringen. Die Polizei hat nichts gemacht, wir waren es, die ihn heruntergeholt haben. Die Polizei brauchte knapp 25 Minuten, nur um eine Leiter zu bringen, obwohl sie nur 200 oder 300 Meter entfernt sind. Wir wollten ihn retten, also kletterten wir das Tor hoch und versuchten, ihn herunterzuholen, doch als die Polizei anfing, uns einzugasen, uns zu schlagen, haben wir es sein lassen. Alle sind ausgeflippt hier, alle haben angefangen, Feuer zu legen, die Zimmer anzuzünden, die Matratzen, alles.“ (…)

Der Präfekt von Rhône hat bereits den Bau eines neuen administrativen Internierungslager bis 2021 angekündigt, in dem auch die Sicherheitsnormen angepasst werden sollen.

Balkan-Route: Zusammenstöße von Flüchtlingen und Polizisten

gefunden auf berliner morgenpost

An der griechisch-mazedonischen Grenze ist es zu Ausschreitungen zwischen Polizisten und Flüchtlingen gekommen. Grund war ein Gerücht.

Athen/Thessaloniki. Sie dachten, die Grenze zu Nordmazedonien sei offen: Rund 2000 Flüchtlinge haben sich am Samstag (6.4.19) in der griechischen Grenzregion versammelt, um weiter nach Mitteleuropa zu reisen. Doch sie waren einer Falschinformation aufgesessen. Es kam zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei.

Zahlreiche Migranten schleuderten am Nachmittag Steine auf Polizisten. Die Beamten setzten ihrerseits Tränengas und Blendgranaten ein, um die Randalierer auseinander zu treiben und zurückzudrängen, wie griechische Medien übereinstimmend meldeten. Die Migranten übernachteten zuletzt in Zelten rund um ein Flüchtlingslager bei Diavata.

300 Flüchtlinge legen Bahnverkehr in Athen lahm

In den vergangenen Tagen hatte im Internet das Gerücht die Runde gemacht, die Grenze zu Nordmazedonien sei offen. Das griechische Migrationsministerium erklärte dagegen, die Grenze werde nicht geöffnet. Alle Migranten sollten in ihre Unterkünfte zurückgehen, dazu stünden Busse bereit.

Ansammlungen von Migranten, die gen Norden reisen wollten, gab es auch in Athen. Dort besetzten am Freitag rund 300 Menschen den Hauptbahnhof der griechischen Hauptstadt. Der Bahnverkehr wurde für mehrere Stunden eingestellt. Die Besetzung wurde jedoch in der Nacht zum Samstag beendet, teilte die Eisenbahndirektion mit. Alle Züge fuhren wieder.

Grenzzaun schloss Balkan-Route weitgehend

Während des Höhepunkts der Migrationskrise war entlang der Grenze zwischen Griechenland und Nordmazedonien ein Grenzzaun gebaut worden. Dieser steht noch und wird überwacht. Damit ist die sogenannte Balkan-Route nach Mitteleuropa weitgehend geschlossen worden.

Sie führt von Griechenland über Nordmazedonien, Serbien und Ungarn nach Mitteleuropa. 2015 und 2016 waren mehr als eine Million Menschen über diese Route nach Deutschland gereist. Inzwischen kommen immer mehr Asylbewerber legal – sogar aus Südamerika.

Maltas Marine stürmt Boot mit 108 «Piraten»

gefunden auf tagesanzeiger

Flüchtlinge kapern den Frachter, der sie vor Libyen aus Seenot gerettet hat.

Im Hafen von La Valletta liegt ein rotes Frachtschiff, das mit seiner jüngsten, offenbar bewegten Reise der bereits reichhaltigen und dramatischen Fluchtsaga auf der zentralen Mittelmeerroute ein neues Kapitel beifügt. Die Betreiberfirma der Elhiblu 1 ist türkisch, das Schiff kreuzt aber unter der Flagge von Palau, einem kleinen Inselstaat im Pazifik.

Am Mittwoch, als es seinen Zielhafen Tripolis anlief, erhielt es von der libyschen Küstenwache den Auftrag, 108 Flüchtlingezu retten, die vor der Küste Nordafrikas in Seenot geraten waren. Selber könne man nicht helfen, funkten die Libyer, ihr Schnellboot sei gerade kaputt.

Die türkische Crew des Ölfrachters nahm die Migranten an Bord und wollte sie nach Tripolis bringen, wie ihr die Küstenwache beschieden hatte. Der Kommandant berichtet, die Flüchtlinge seien darüber sehr aufgebracht gewesen: Um keinen Preis hätten sie zurückgewollt, in die berüchtigten libyschen Auffanglager. Sechs Seemeilen vor Tripolis registrierten die Radare, wie die Elhiblu 1 abdrehte und Kurs nach Norden nahm. Einige Migranten sollen die Crew überwältigt und sie gezwungen haben, Europa anzusteuern – Lampedusa, Italiens südlichsten Aussenposten, oder La Valletta.

«Italien könnt ihr vergessen»

Kaum hatte Italiens Innen­minister Matteo Salvinivon der Geschichte der Elhiblu 1 erfahren, meldete er sich mit einer Direktschaltung auf Facebook, wie er das in solchen Fällen oft macht. Es sei eine «Entführung» im Gange, sagte er. Und fügte mit einem ironischen Unterton an: «Arme Schiffbrüchige kidnappen einen Frachter, der sie gerettet hat, weil sie die Strecke ihrer Kreuzfahrt selber bestimmen wollen. Ich sage zu den Piraten: Italien könnt ihr vergessen.» Das sei ein Verbrechen, und für Verbrecher seien die italienischen Gewässer gesperrt.

Bald war klar, dass das Schiff stattdessen Kurs auf Malta eingeschlagen hatte. Die maltesische Regierung, die sich sonst oft mit der populistischen römischen Regierung über Zuständigkeiten streitet, sah es für einmal gleich wie Salvini. An die ­Marine erging der Befehl, die ­Elhiblu1 dreissig Seemeilen vor La Valletta abzufangen. Die Zeitung «Times of Malta» schreibt, die Marine habe das Schiff «gestürmt» und dann in den Hafen begleitet. Fünf Passagiere wurden in Handschellen abgeführt, wohl die Rädelsführer. Unter den 108Migranten, die das Schiff verliessen, waren 19 Frauen und 12 Kinder. Was aus ihnen wird, war zunächst nicht klar.

Notzentrale antwortet nicht

Dass einem privaten Frachter die Seenotrettung zufiel, könnte bald noch viel öfter vorkommen. Gerade hat die Europäische Union beschlossen, ihre Kontroll- und Rettungsmission «Sophia» für sechs weitere Monate fortzuführen, jedoch ganz ohne Schiffe. Der Einsatz im zentralen Mittelmeer beschränkt sich neuerdings auf die Überwachung aus der Luft.

Der Entscheid ist aus mehreren Gründen umstritten, vor allem aber, weil damit die effektive Seenotrettung noch prekärer wird. Die libysche Küstenwache wird zwar mit europäischen Mitteln unterstützt und soll auch weiterhin Schiffe und Training erhalten: Doch besonders verlässlich ist sie nicht. Rettungsorganisationen berichten, oftmals antworte niemand in der Notzentrale.