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Liberty for O.!

von libertyforo.tumblr.com:

O. ist aus Nigeria und hat in den letzten drei Jahren in der Schweiz gelebt, wo er auch beim Bleiberechtkollektiv aktiv war. Aufgewachsen ist er in einem kleinen Dorf im südlichen, christlich geprägten Nigeria. Als Kenner von Heilpflanzen war O. integrierter Bestandteil der dörflichen Gemeinschaft und von den Leuten respektiert. Nach dem «coming out» wurden er und sein Freund jedoch zunehmend unter Druck gesetzt, die erfahrene Feindseligkeit wurde immer gewalttätiger. Eines Nachts brachen BewohnerInnen des Dorfes in sein Haus ein. Die Messerschnitte sind heute noch auf seinem Rücken erkennbar. Die Hetze gegen ihn wird von seinem eigenen Vater angeführt, dem lokalen Pfarrer. O. und sein Freund konnten zuerst in die Hauptstadt Lagos fliehen, mussten dort untertauchen und ihre Homosexualität verstecken. Sie lebten vier Jahre in Lagos, bis Os angehörige herausfanden, wo sie sich aufhielten, so dass sie erneut fliehen mussten. Ihr Weg führte über Spanien in die Schweiz.
Nigeria verbietet Homosexualität
In Nigeria ist Homophobie in der Bevölkerung an der Tagesordnung. Ende Mai 2013 verabschiedeten Regierung und Parlament ein Gesetz, welches künftig Homosexuelle bis zu 14 Jahren hinter Gitter bringen kann, wenn sie ihre Zuneigung öffentlich zeigen. Damit wird es für Schwule und Lesben in Nigeria beinahe unmöglich, ein «normales» Leben zu führen. Auch wird die solidarische Unterstützung von Homosexualität massiv kriminalisiert. Die Beteiligung an einer gleichgeschlechtlichen Eheschliessung wird mit einer Haft von zehn Jahren bestraft. Was auf der juristischen Ebene nun neu verankert wurde, wird praktisch schon lange umgesetzt. An- und Übergriffe auf Homosexuelle gehören zum Alltag. In gewissen Gebieten des Landes sind auch Fälle bekannt, bei denen die Todesstrafe angewendet wurde. Gewalttätige Handlungen gegen Homosexuelle werden gesellschaftlich und juristisch toleriert.
Ein «normales» Leben können Homosexuelle in Nigeria nur dann führen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit als «geheilt» präsentieren. Der erste Asylantrag von O. und seinem Freund wurde schon nach einem Monat abgelehnt. In der Folge wurde der Freund ausgeschafft. Bei seiner Ankunft musste er sich exorzistischen Ritualen unterziehen, u.a. wurde er nackt auf einem Anhänger durch das Dorf gefahren. Er wurde zudem gezwungen zuzugeben, er sei nun von Homosexualität «geheilt». O. bleibt im Dorf der Hauptschuldige, da er seinen Freund «verführt» haben soll. Gerade im christlichen Süden sind seit Anfang 2014 vermehrt Menschen wegen Verdachts auf Homosexualität verhaftet worden.
Homophobe Schweizer Asylpolitik
Auch der Rekurs von O. wurde abgelehnt. Das Bundesamt für Migration (BFM) argumentiert, in Lagos könne er seine Homosexualität verstecken und ohne Gefahr der Verfolgung ein «normales» Leben führen, obwohl im November 2013 der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg ausführte, dass die sexuelle Orientierung ein für die Identität bedeutendes Merkmal ist und daher von Asylsuchenden nicht erwartet werden kann, die Homosexualität im Herkunftsland geheim zu halten oder sich zurückzuhalten, um eine Verfolgung zu vermeiden. Damit anerkennt die Schweiz die Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung faktisch und entgegen der Weisung des EuGH nicht als Asylgrund.
O. wurde am letzten Samstag, den 22. März, bei einer Polizeikontrolle um 1 Uhr nachts festgenommen. Er wurde wegen „illegalem Aufenthalt“ zu mindestens 30 Tagen verurteilt. Nach Absitzen dieses Urteils droht ihm die Ausschaffung nach Nigeria – und somit erneut Verfolgung und gar der Tod.
O. ist weder der erste, noch der letzte Fall eines abgelehnten Asylgesuches aufgrund von Homosexualität. Die schweizerischen Behörden zeigen zwar mit dem Finger auf die menschenrechtswidrige Situation in Ländern wie Nigeria, doch durch die asylpolitischen Praxis – also der Ausschaffung von Homosexuellen – wird ihre Verfolgung mitgetragen.

FREIHEIT UND PAPIERE FÜR O!
FÜR DIE ANERKENNUNG VON HOMOSEXUALITÄT ALS ASYLGRUND!
BLEIBERECHT FÜR ALLE – SOFORT!