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Flüchtlinge besser in Arbeitsmarkt integrieren

gefunden auf Berner Zeitung

Der Kanton Bern geht neue Wege, um Flüchtlinge besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Peter Stämpfli, der Präsident von «Fokus Bern», begrüsste die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Verwaltung.

Der Kanton Bern geht neue Wege, um Flüchtlinge besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Neu leisten Private die Vorfinanzierung für ein Pilotprojekt, die öffentliche Hand legt Ziele fest und lässt sie kontrollieren. Umgesetzt wird das Projekt vom Hilfswerk Caritas.

Das Pilotprojekt soll rund 2,7 Millionen Franken kosten und fünf Jahre dauern, wie Vertreter des Kantons und der Projektbeteiligten am Dienstag in Bern vor den Medien bekannt gaben.

Das Projekt verfolgt das Ziel, anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene möglichst rasch und nachhaltig in den Arbeitsmarkt einzugliedern.

Das System funktioniert so, dass der Kanton mit der Caritas einen Leistungsvertrag abschliesst. Das Geld dafür schiessen Private in Form eines Darlehens vor.

Abgerechnet wird am Schluss über ein Bonus-Malus-System. Das heisst: Werden die festgelegten Ziele erreicht, erhalten die Geldgeber ihren Vorschuss zurück. Werden die Ziele übertroffen, teilt der Kanton Bern seine höheren Einsparungen mit der Caritas und den Geldgebern.

Werden die Ziele hingegen nicht erreicht, müssen sich sowohl die Caritas wie auch die Privaten einen Teil des Verlusts ans Bein streichen. Das bedeutet, dass das finanzielle Risiko für den Kanton Bern kleiner wird.

Auf der Suche nach Arbeitsplätzen
Konkret heisst das, dass von den anvisierten 120 Teilnehmern des Pilotprojekts am Ende 60 bis 70 Personen in den Arbeitsmarkt integriert sind oder eine Ausbildung absolviert haben, wie Claudia Babst von der Caritas ausführte. Diese Zahlen basierten auf Erfahrungswerten.

Noch sind die benötigten Arbeitsplätze nicht gefunden, wie Babst ausführte. «Die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen ist anspruchsvoll». Eine Bonus-Malus-Vereinbarung einzugehen, sei auch für Caritas ein Novum, betonte Babst.

Darlehensgeber sind private Unternehmen und Stiftungen. Das Projekt wird mitgetragen von Unternehmerinitiative «Fokus Bern», hinter der rund 70 Firmen stehen.

Der Präsident von «Fokus Bern», Peter Stämpfli, begrüsste die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Verwaltung. Es sei ein positives Signal und ein mutiger Schritt, dass die Berner Behörden neue Wege in der Finanzierung suchten und schweizweit als erste ein solches «Social Impact Bond«-Projekt umsetzten. Die Idee der «Social Impact Bonds» stammt aus Grossbritannien.

Bei der Vorschussfinanzierung gehe es nicht in erster Linie um Rendite, dazu seien die Zinssätze auch bei Erfolg zu tief. «Es geht um eine nachhaltige Investition von uns allen in die Zukunft unserer Gesellschaft und unseres Kantons», betonte Stämpfli.

Der «Social Impact Bond», setze ein Zeichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit finanziellen Ressourcen aller Beteiligten, sagte Marc Baumann von Invethos Bern, der für «Focus Bern» das Projekt als Fachexperte begleitet.

Armutsbekämpfung
Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud sieht in dem Pilotprojekt ein Instrument, um Armut im Kanton Bern zu bekämpfen. Gerade für anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sei die berufliche und gesellschaftliche Integration häufig mit besonders grossen Herausforderungen verbunden, sagte Perrenoud vor den Medien.

Das Projekt soll diesen Menschen bessere Chancen geben. Doch auch Einsparungen in der Sozialhilfe soll das Projekt bringen, wie Perrenoud ausführte. Diese wiederum entlasten die Staatsrechnung.

Als Konkurrenz zu anderen Arbeitnehmenden im niederschwelligen Bereich will Perrenoud das Projekt nicht verstanden wissen.

England: Zaun beim Yarl’s Wood Gefängnis niedergerissen

übersetzt von Rabble

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Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Samstag (06. Juni) beim berüchtigten Yarl’s Wood Migrations Gefängnis in Bedfordshire, betrieben von Serco.

Diverse Politiker_innen und selbstgefällige Berühmtheiten waren vor Ort um Reden zu halten. Ein grosser Teil der Ansammlung ignorierten diese allerdings und entschieden sich lieber den äusseren Zaun niederzureissen. Der stärkere innere Zaun blieb zwar standhaft, trotzdem kam die Masse nahe ans Gefängnis heran, machten Lärm und konnten mit den Gefangenen kommunizieren, welche selbst auch rumschrien und an die Fenster schlugen. Es waren zu wenig Bullen vor Ort um einzuschreiten.

Auf dem Detained Voices Blog ist ein Bericht eines Insassen aufgeschaltet.

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Schon 103’000 Menschen übers Mittelmeer geflohen

gefunden auf Tagesanzeiger

Seit Jahresbeginn haben über 100’000 Menschen ihr Leben bei der gefährlichen Überfahrt riskiert. Für die Sommermonate erwartet die Uno mit einem Anstieg der Flüchtlingszahlen.

A group of migrants walk after arriving in the Sicilian harbour of Augusta

Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Uno bereits mehr als 100’000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflohen. Dies sei ein «dramatischer Anstieg», erklärte das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf.

Seit Jahresbeginn hätten rund 103’000 Menschen ihr Leben bei der gefährlichen Überfahrt riskiert, hiess es am Dienstag. Regelmässig kommen bei den Fluchtfahrten viele Personen ums Leben.

Wie UNHCR-Sprecher Adrian Edwards mitteilte, kamen auf der gefährlichen Überfahrt in diesem Jahr bereits fast 1800Flüchtlinge ums Leben. Angesichts der dramatischen Situation verstärke das UNHCR seine Präsenz in Griechenland und in Süditalien.

Flüchtlings-Anstieg für kommende Monate erwartet
Die Schwelle von 100’000 sei in diesem Jahr früher überschritten worden als im vergangenen Jahr, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit. Für die nächsten Monate werde ein starker Anstieg der Flüchtlingszahlen erwartet.

«Eine ruhigere Wetterlage dürfte Schlepper ermutigen, nicht seetüchtige offene Boote mit noch mehr schutzlosen Menschen zu füllen», sagte IOM-Sprecher Leonard Doyle.

Fast 55’000 der zumeist aus dem Nahen Osten und Afrika stammenden Menschen seien in Italien an Land gegangen. Eine besonders starke Zunahme im Vergleich zum Vorjahr von 34’000 auf rund 48’000 habe Griechenland verkraften müssen.

 

Räumungen in Calais und Paris

übersetzt von calaismigrantsolidarity und paris-luttes

Heute (2. Juni) räumte die französische Polizei den Squat Galloo und den Jungle in der Nähe des Supermarktes Leader Price. Im Juli 2014 von verschiedenen Zusammenschlüssen, Migrant_innen und Aktivist_innen geöffnet war der Squat Galloo ein Zuhause für teilweise mehr als 300 Menschen. Ein Ort in Calais, wo Menschen sich treffen, essen teilen, Natels aufladen und verbleiben konnten.

Die Bullen umstellten das Gebäude und versperrten alle Ausgänge. Einige berichten, dass 66 Menschen verhaftet und etwa 40 davon ins Internierungszentrum von Coqulles gebracht wurden. Diese Information ist allerdings nicht bestätigt. Securitys bewachen nun den Eingang zum Gebäude.

Beim Leader Price Jungle, welcher in diesem Jahr bereits teilgeräumt wurde, hat eine grosse Anzahl von Gendarmen die Menschen aus ihren Schlafplätzen gezwungen. Auch hier gibt es Berichte von Verhaftungen.

Das neue Zuhause soll nun das Open-Air-Gefängnis am Rande von Calais Jules Ferry Zentrum werden. Die heute Geräumten haben sich dem „freiwilligen“ Umzug vor zwei Monaten zum neuen Zentrum verweigert, zu welchem sie von den Bullen und anderen staatlichen Organisationen gedrängt wurden.

Diese Polizei-Operation war koordiniert mit der Räumung des Jungles in La Chapelle in Paris, in welchem mehr als 400 Menschen gelebt haben. Bei der Räumung wurden alle Zelte der Migrant_innen kaputt gemacht. Einige versuchten am Mittwoch (03. Juni) auf zum Camp zurückzukehren. Das Gelände (im Besitz von Eurovia, Tochterunternhemen von Vinci) wird allerdings von Bullen bewacht. Als sich die Migrant_innen und Solidarische am Donnerstag in der Nähe des ehemaligen Camps versammelten, wurden sie sogleich von den Bullen eingekesselt. Momentan existiert noch ein weiteres Camp von Flüchtlingen am Gare d’Austerlitz. Es wird befürchtet, dass dieses ebenfalls geräumt wird.

Das Ganze geschieht 2 Jahre nach dem Mord an Clément Méric, einem 18 jährigen Antifaschisten, welcher am 05.Juni 2013 auf offener Strasse in Paris von einem Faschisten getötet wurde.

Flucht aus dem geschlossenen Zentrum von Vottem (Belgien) am 02. Mai

übersetzt von getting the voice out

Vier Gefangene entkamen dem geschlossenen Zentrum von Vottem und haben sich so ihre Freiheit wiederangeeignet.

In der Nacht vom 01. auf dem 02. Mai sprangen sie aus dem Fenster ihrer Zelle, überstiegen das Gitter und verschwanden in der Natur.

„Alles ist super gelaufen, wie geplant.“

Die Direktion des Zentrums hat eine gründliche Suche nach den Entkommenen angekündigt.

Freiheit für alle!

Calais: Toter auf der A16

übersetzt von calaismigrantsolidarity

In der Nacht von Sonntag auf Montag (01. Juni) starb ein Mann beim Überschreiten der A16, in der Nähe des Ausgans des Eurotunnels.

Menschen werden gezwungen, auf dem Weg nach England grössere Risiken einzugehen. So kommt es in den letzten Jahren immer mehr zu Schwerverletzten oder gar Toten entlang der Autobahnen rund um Calais.

Dieser Tot, genaugleich wie die Anderen, sind eine direkte Folge des britischen und europäischen Grenzregimes. Wir werden diesen Tot nicht verstummen lassen. Wir werden nicht Ruhe geben, bis es Bewegungsfreiheit für alle gibt.

Ausschaffungen verhindern!

gefunden auf revolutionär

Spontane Solidaritätskundgebung vor dem Regionalgefängnis Bern: Trotz einem ärztlichen Attest will der Kanton Bern Akpene Yawa Honkou nach Togo verschleppen.

http://ch.indymedia.org/images/2015/06/95211.jpg

Medienmitteilung der Familie von Frau Honkou:
“Heute Dienstag um 18:00 Uhr versammelten sich vor dem Regionalgefängnis Bern 35 Personen. Sie protestierten gegen die geplante Verschleppung von Akpene Yawa Honkou. Die 60 Jahre alte Frau aus Togo leidet akut an Depressionen und post-traumatischen Belastungsstörungen. Das belegt ein ärztliches Attest. Aufgrund dieses Attests kamen die Beamten der Rückkehrhilfe zum Schluss, dass eine Rückkehr nicht zumutbar sei. Der Kanton kommt nun zu einem anderen Schluss und will die Verschleppung extrem schnell und unter allen Umständen durchführen. Gestern Montag wurde, die seit 2009 in der Schweiz lebhafte Frau am Mittag in Haft genommen. Bereits morgen soll sie um 17:00 Uhr verschleppt werden. Ihrer Nichte wurde ein letzter Besuch verweigert.”

http://ch.indymedia.org/images/2015/06/95209.jpg

Staaten und Grenzen nicht akzeptieren, heisst auch Abschiebungen blockieren, Ausschaffungsgefängnisse bekämpfen und Abschiebebehörden angreifen! Frau Honkou soll morgen ab 9Uhr nach Genf gefahren werden um dort auf den Flieger gebracht zu werden.

Keine Ausschaffung von Frau Honkou! Kein Mensch ist illegal!
Feuer und Flamme den Abschiebebehörden!

Polizeifahrzeug in Münster angezündet

gefunden auf linksunten

Symbolbild Feuer, Quelle: Wikipedia

Mittwoch, den 27.05.2015, früh am Morgen.
Wir haben einen Bulli vor dem Gebäude der Bundespolizei in Münster angezündet.
Warum?

Deutschland ist Akteur in einer rassistischen Flüchtlingspolitik. Die Konsequenzen daraus sind mehrere tausend Tote unter anderem an den EU-Außengrenzen. Die (Bundes-)Polizei ist ausführendes Organ dieser Politik. Sie setzt Abschiebungen durch, betreibt rassistische Kontrollen („Racial Profiling“) und fällt auch innerhalb von Deutschland durch Misshandlungen von Geflüchteten auf.

Der materielle Schaden, den wir mit dieser Aktion angerichtet haben, steht in keinem Maßstab zu der Gewalt, welche diese Institution tagtäglich ausübt. Trotzdem wollen wir diese Gewalt nicht unbeantwortet lassen.

Die Polizei zerstört durch Abschiebungen Leben, wir zerstören ihre Autos.

Berlin: Aktionserklärung: 6 Dinge, die diese Stadt nicht braucht

gefunden auf linksunten

Postbank

Wir haben zwischen dem 25. und 29. Mai in Berlin fünf Dinge angegriffen, die diese Stadt nicht braucht; eine Sache hat sich selbst zerstört.

Die Scheiben wurden zerstört bei Parteibüros der Grünen in Friedrichshain und Prenzlauer Berg, der SPD in Wedding und der Linkspartei in Schöneberg. Eine Postbank wurde in Treptow angezündet. Die „Revolutionäre Demonstration“ am 1. Mai hat sich hoffentlich zum letzten Mal durch Kreuzberg und Neukölln gequält.

Im Einzelnen – know your enemy –

Büros der Grünen wurden seit dem vom Bezirk Friedrichshain Kreuzberg ausgelösten Polizeiterror gegen die Flüchtlinge in der besetzten GHS schon mehrfach angegriffen. Seit dem letzten Sommer ist nichts besseres von den Grünen gekommen. Aber empathisch und überrascht geben sie sich nun, nachdem eine Kommission massiven Kindesmissbrauch durch Berliner Grüne aufgedeckt hat. Diese Überraschung kann nur geheuchelt sein, hat doch einer der Gründer der Grünen Partei, Daniel Cohn-Bendit bereits in der Talksendung „Apostrophes“ vom 23. April 1982 erklärt:

„Wissen Sie, die Sexualität eines Kindes ist etwas absolut Fantastisches. […] Wissen Sie, wenn ein kleines fünfjähriges Mädchen beginnt, Sie auszuziehen, ist das großartig. Es ist großartig, weil es ein Spiel ist, ein wahnsinnig erotisches Spiel.“

Diese Frankfurter Grünen, die Cohn–Bendit dominierte, haben jetzt eine Bundesratsinitiative für eine Strafverschärfung von Angriffen auf Polizeibeamte_innen gestartet. Der Innenexperte der Berliner Grünen, Benedikt Lux, befürchtet in seiner schriftliche Anfrage vom 16. April 2015 an der Innensenator, die schleichende Entwaffnung der Berliner Polizei.

Die Grünen sind noch nie eine Alternative für ein besseres Leben gewesen. Als Koalitionspartner von wahlweise der CDU oder auch der SPD sind sie direkt mitschuldig an den Verbrechen gegen das Leben, so konnten beispielsweise die Abschiebegesetze in vermeintlich sichere Drittstaaten nur Dank der Grünen in Baden Württemberg durchgesetzt werden. Dieser Haufen Dreck ist somit verantwortlich für den Tod und die Armut tausender Menschen.

Die SPD ist schon seit langem als feindliche Organisation bekannt. Warum sie in dieser Stadt nicht gebraucht wird, steht in einigen Erklärungen zu ähnlichen Aktionen in den letzten Jahren. Als Verräterpartei bekannt, versucht die SPD ihrem Spitznamen alle Ehre zu machen. Positionen zur Vorratsdatenspeicherung und Tarifeinheitsgesetz übertreffen jedes mal die Erwartung an die konservative Haltung der Parteibonzen.

Die Linkspartei betreibt eine Spaltung an den indifferenten Rändern der widerständigen Schichten, indem sie Versprechungen auf ein besseres Leben macht, aber nur ihre eigene Macht im Sinn hat. In ihrem Schöneberger Büro hat sie ein großes Plakat des griechischen Ministerpräsidenten in einer Art stalinistischem Personenkult aufgestellt, um ihre Verbundenheit mit den Methoden des sozialen Krieges ihrer Schwesterpartei Syriza zu zeigen. Syriza und Linkspartei sind die Pest im anarchistischen Raum.

Wer auf Parteien als möglichen Vermittlungspartner radikaler oder gar antiautoritärer politischer Positionen hofft, geht einen selbstverräterischen Pakt mit dem Feind ein. Gesellschaftliche und staatliche Institutionen nutzen immer wieder einen vermeintlichen Minimalkonsens um fortschrittliche Haltungen zu übernehmen, Argumentationen zu besetzen um am Ende eine radikale/antiautoritäre Sichtweise aufzuweichen.

Parteien können nie ein ein Gegenbeispiel zum Bestehenden sein, sie sind immer verwurzelt im kapitalistischem System und damit mitschuldig an der Unmenschlichkeit der vorherrschenden Verhältnissen.

Nur eine konsequente Haltung gegen alle, die sich der Freiheit in den Weg stellen, auch wenn sie A sagen um B zu meinen, wird uns vor der systemimmanenten Verwertung unserer Überzeugungen schützen.

Wer dennoch mit Abfallprodukten der sogenannten linken Bewegung kooperieren möchte, wie zum Beispiel die RLB mit dem Innenexperten Hakan Tas muss damit rechnen die politische Glaubwürdigkeit zu verspielen und Ziel unserer Wut zu werden.

Die Postbank wurde angezündet, weil Banken im Allgemeinen gut brennen und diese als Sponsor der Fußball Nationalmannschaft und Partner der Bundeswehr nicht in dieser Stadt gebraucht wird.

Wer Nationalismus zum Geldmachtprinzip ordert und am Tod von durch deutsche Soldaten Ermordete profitieren möchte, wird immer wieder Ziel unserer nächtlichen Lichtspiele sein.

Sich selbst erledigt hat die „Revolutionäre Demonstration“ am 1. Mai, nach einem langen Zyklus von vielen Verirrungen endlich als Symbol der totalen Beliebigkeit als Teil des Myfestes endend. Berlin braucht keine karnevalesk anmutende Demonstration deren Veranstalter_innen nachher genauso zufrieden mit dem Verlauf sind wie die Schweine Henkel, Tom Schreiber, Benedikt Lux oder Peter Trapp. Die 18 Uhr Demo wurde in den letzten Jahren ständig größer, bei sinkendem politischen Bewusstsein der Beteiligten oder bewusst gesteuerter fehlender politischer Bewegungsoptionen. So gab es während des Versuches der Besetzung keine Ansagen mehr über den Lauti dazu. Überlegungen über Anmelden oder nicht, über eine andere Route oder über Ausdruck und Charakter sind der puren Selbstdarstellung einiger Gruppen gewichen.

Die NAO beispielsweise verurteilte in den letzten Jahren die jugendlichen Krawalltourist_innenen, die nur Flaschen werfen würden und trat mit Syriza Politiker_innen in der ersten Reihe auf. 2015 verurteilte sie in ihrem Aufruf Syriza und veröffentlichte ein militantes Video. Unter dem Motto „Heraus zum revolutionären 1.Mai 2015 – Gegenmacht aufbauen – für die soziale Revolution weltweit. Berlin, Athen, Kobane – Die letzte Schlacht gewinnen wir! Sozialismus oder Barbarei!“ heuchelten sie die Bereitschaft zu tatsächlichem Widerstand, der jedoch nie die legalistischen Bahnen verlassen darf.

Allein durch das Motto „Gegenmacht aufbauen“ lassen sich die Wünsche nach herrschaftlichen Verhältnissen unter anderer Flagge erahnen. Sich nicht mehr nur selbst unterdrücken ist hier die Devise, sondern endlich in einer Welt zu leben, in der auch die nichtssagenden Parolen ein Stück weit Beachtung erhalten.

ARAB verbreitete unter dem Namen Great Crisis Riseup 4: Battlefield Europe End the Game – Conquer Capitalism – Build a free World einen Aufruf wie zu einem Computerspiel an ihre Zielgruppe der anpolitisierten Jugendlichen, die nicht merken sollen, dass sie verarscht werden durch die vermeintliche Revolution mit Anmeldung.

Hier ist auch auf Frankfurt hinzuweisen, das Banner des Computerspiels tauchte im Internet vor einem brennenden Bullenwagen auf, ohne sich sichtlich an den Protesten zu beteiligen. Es ging hierbei ausschließlich um die Selbstdarstellung und der Vermarktung des Produkts ARAB.

Es gab auch noch die DKP im Vorbereitungsbündnis. Und die Radikale Linke Berlin forderte in einem Bettelbrief an den Gegner:

Her mit dem sozialen Zentrum! Offener Brief an Senat und Bezirksverwaltungen, an Hauseigentümer_innen und Immobilienkonzerne zum bevorstehenden 1. Mai – Was ihr aus dieser Stadt gemacht habt und tagtäglich macht, gefällt uns nicht.

Allein die Tatsache, dass sich die Radikale Linke in einem offenen Brief an die Herrschenden wendet und nach einem sozialen Zentrum verlangt, gleicht einer Ohnmachtsvorstellung. Die Herrschenden die uns unsere Zentren nehmen und zerstören, aufzufordern uns endlich ein Zentrum zu geben kommt einem Schlag in die Fresse derer gleich, die sich kämpfend gegen die Herrschenden richten. Allein durch den Brief steht euch von uns und unseren Gefährt_innen auf der ganzen Welt, keine Beachtung mehr im Weg. Die von uns, die geräumt wurden, jeden Tag in Spanien oder Italien vom Staat eine neue Schelle kassieren, seid ihr in den Rücken gefallen.

Ihr hängt eure Fahne in den Wind unter der Behauptung möglichst viele Menschen unter einem Label subsummieren zu können. Dabei wird auf die konsequente Feindschaft zu den Unterdrückungsmechanismen verzichtet. Das nennt sich dann Vermittelbarkeit. Belügen könnt ihr euch selbst, aber hört auf andere zu verarschen.

Eine Forderung, an der augenscheinlich kein Bedarf in Berlin besteht ist die nach dem sozialen Zentrum. Während der Demonstration auf dem Kottbusser Damm versuchten Ordner Leute festzuhalten und den Bullen zu übergeben, weil diese die Bio Company einwarfen.

Das lauwarme Süppchen, welches von der RLB gekocht wurde, dass ein Haus besetzt wird, wurde nicht zu Ende gekocht. Womöglich war dies aber auch die Intention der Veranstalter_innen, um sich selbst zu feiern und wenigstens zu erzählen, dass es ja versucht wurde.

Am nächsten Tag waren sie alle zufrieden, Berlins Oberdepp Michael Müller (SPD) hat sich bei den Beteiligten der Feste und Demonstrationen zum 1. Mai für den friedlichen Ablauf bedankt.

„Es ist erfreulich, daß auch in unserer Stadt der eigentlich Zweck des Maifeiertages von Jahr zu Jahr wieder mehr zur Geltung kommt“, sagte er laut einer Mitteilung vom Samstag. Er bedankt sich bei den Polizisten, den Veranstalter des „Myfest“ und auch bei den Demonstranten. „Für sie standen friedlicher Protest und fröhliches Feiern im Mittelpunkt und nicht Gewalt und Krawall“, sagte Müller.

Ebenso die RLB: „Wir sind einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Die Demonstration war groß, vielleicht noch größer als die Jahre zuvor, jedenfalls aber größer als die von Bullen und Presse ausgegebenen Zahlen. Wir schätzen auf 25.000 bis 30.000 Teilnehmer_innen. Wichtig war: Der Frontblock war organisierter als die Jahre zuvor. Dass große Teile des Blocks über weite Teile der Demonstration komplett vermummt gelaufen sind ist als kleiner Erfolg zu werten. Zum wichtigeren Teil für uns: Es hat eine Hausbesetzung stattgefunden.“

Von einer vermeintlichen Hausbesetzung zu sprechen, entbehrt jeglicher Realität und lässt die Glaubwürdigkeit der RLB nur noch weiter schwinden. Vermummung ohne jeden Sinn (den Sinn haben wir zumindest nicht verstanden weil die Kooperation mit den Sicherheitsbehörden zu jedem Zeitpunkt bestanden hat, also nicht von Selbstschutz, der eigentliche Sinn von Vermummung, zu reden ist) als Erfolg zu feiern ist dann auch nur noch peinlich.

Es stellt sich auch in Anbetracht der Bündnispartner nur noch die Frage nach der Zeit, dass die RLB sich als oppositionelle Partei versteht, wohin sie auf gutem Weg sind. Auf den Text der 20.000 Schafe einzugehen, hielt die Demo Orga für überflüssig.

Mit dem 1. Mai 87 hat diese Demo nichts mehr zu tun und die Hoffnung bleibt, dass niemand versucht im nächsten Jahr dieses suizidale Relikt wieder zu beleben. Problematisch ist nicht die ausgebliebene Straßenschlacht, nichts ist unwichtiger, sondern das Abtreten der Bedeutungshoheit von Wörtern wie „linksradikal“, „revolutionär“ oder „Widerstand“ an den politischen Gegner.

Kriegserklärung gegen Flüchtlinge

gefunden auf Woz

Die «HMS Bulwark» der britischen Royal Navy ist ein mächtiges Kriegsschiff, ein Bollwerk, wie es der Name sagt: 176 Meter lang, 325 Mitglieder als Besatzung, ein amphibisches Landungsschiff, das Truppen übers Meer in Kriegsgebiete transportiert. Letzte Woche erschienen in britischen Medien Fotos und ein Video, wie die «Bulwark» 400 Flüchtlinge nahe der libyschen Küste rettet: Soldaten hinter Gesichtsmasken greifen mit Landungsschiffen die Flüchtlinge von Schlauchbooten auf. Diese erhalten orange leuchtende Rettungswesten und verschwinden im riesigen Bauch der «Bulwark». Später wurden sie in Sizilien den italienischen Behörden übergeben.

Die perfekt inszenierten PR-Bilder der Navy – auch die Aufnahme einer Samariterin in Uniform mit verängstigtem Kleinkind im Arm fehlt nicht – erreichten die Öffentlichkeit kurz vor einem Treffen der Aussen- und der VerteidigungsministerInnen der Europäischen Union. Am Montag beschlossen diese in Brüssel die Militäroperation «Eunavfor Med». Die oberste Priorität hat dabei aber nicht die Rettung von Flüchtlingen, sondern die Zerschlagung von Schleppernetzen. Beschlossen ist fürs Erste, dass die Schlepper mit Drohnen und Satelliten aufgespürt werden sollen. In einem nächsten Schritt sollen ihre Boote auf hoher See aufgegriffen und zerstört werden. Auch werden Einsätze von Spezialeinheiten an der libyschen Küste diskutiert, um Boote noch vor dem Ablegen zu zerstören (vgl. WOZ Nr. 18/2015).

Um die Risiken der Operation weiss der EU-Rat. In einem internen Papier heisst es, Operationen gegen Schlepper in Anwesenheit von MigrantInnen könnten «ein hohes Risiko von Kollateralschäden und den Verlust von Menschenleben» mit sich bringen. Die Kosten für die auf ein Jahr befristete Operation betragen zwölf Millionen Euro, beteiligen wollen sich Britannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und Malta. Britannien hat bereits den Einsatz der «HMS Bulwark» zugesichert.

Der Militäreinsatz bedeutet eine massive Eskalation der europäischen Flüchtlingspolitik: Zwar werden im Grenzschutz schon lange zivile und militärische Mittel vermischt. So besteht eine der Hauptaufgaben der Grenzschutzagentur Frontex darin, mit Rüstungsfirmen immer ausgefeiltere Technologien zur Grenzkontrolle zu entwickeln. Doch dass auf europäischer Ebene der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer mit einer militärischen Kommandostruktur begegnet wird, ist eine neue Dimension. Oder – deutlich gesagt – eine Kriegserklärung, weshalb die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini vor dem Uno-Sicherheitsrat um Unterstützung und damit um die völkerrechtliche Legitimation geworben hat. Für die Zerstörung von Schiffen sowohl auf hoher See wie in Libyen bräuchte sie ein entsprechendes Mandat.

Wohl betonen die PolitikerInnen, die Militäroperation richte sich nur gegen Schlepper und nicht gegen Flüchtlinge. Doch wer die Migration nach Europa illegalisiert und anschliessend die NutzniesserInnen des so entstandenen Schwarzmarkts bekämpft, bewirkt bloss eines: Der Weg nach Europa für die Flüchtlinge aus dem Bürgerkrieg in Syrien oder der Militärdiktatur in Eritrea wird noch gefährlicher. Der Krieg gegen die Schlepper trifft am Schluss die Flüchtlinge.

Nach den jüngsten Schiffsunglücken im Frühling schien eine humanitäre Wende möglich: Erstmals diskutierte die EU über Quoten zur Flüchtlingsverteilung, wenn auch bloss für den Notfall, und über ein Kontingent für besonders verletzliche Flüchtlinge, wenn auch ein beschämend kleines. Am Schluss bleibt vorerst nur die militärische Option: Schotten dicht. Auch Bürgerliche in der Schweiz können sich einen Mittelmeereinsatz der Armee vorstellen. Es ist auch unser Krieg.

Vielleicht wirkt die Szenerie vom kleinen Schlauchboot und vom grossen Kriegsschiff auch deshalb so verstörend, weil das Schlauchboot in seiner Unterlegenheit daran erinnert, wozu Schiffe eigentlich da sind: nicht um zu zerstören, sondern um aufzubrechen.